Sonntagsspaziergang Mainpost

Sonntagsspaziergang für Main Post Kitzingen, 27. Juli 2018

Unser Einsatz vs. Unsere Befindlichkeiten

 

Stellen Sie sich vor, Sie würden in einem Liegestuhl liegen und könnten sich dabei so richtig ausspannen, weil die letzten Wochen vor der Sommerpause Ihnen einfach viel abverlangt haben. Und stellen Sie sich vor, Sie könnten sich dabei zusehen. Wie würden Sie sich antreffen? Schon völlig entspannt? Oder irgendwie noch angespannt?

Wie auch immer Sie sich im Liegestuhl vorfinden - den Zustand, in dem man sich “findet”, nennt man auch Befindlichkeit. Unsere Befindlichkeit gewinnen wir - und nur wir selbst - durch unsere innere Wahrnehmung, aus unserem Empfinden, auch aus unserem Gefühl.

Man kann sich eben gut fühlen, froh und heiter. Man kann aber auch spüren, dass da noch etwas ist, was unsere gute Stimmung erheblich dämpft.

Ich kenne kaum einen Menschen, dessen Befindlichkeit gerade in den Wochen vor den großen Schulsommerfereien nicht auf eine große Probe gestellt worden ist.

Was war das für ein Gezicke im Büro? Zu Hause haben sich alle wieder auf Sie verlassen und niemand kam auf die Idee, dass das alles zu viel für Sie sein könnte. Und wer hat schon groß gedankt, dass man seine Zeit und Kraft gegeben hat? In der Kirchengemeinde? In der Familie? Im Verein? Oder im Beruf?

Kein Wunder, dass viele vor den Sommerferien entgegnen: „Ich möchte am liebsten nichts mehr hören und sehen. Sollen die anderen machen, was sie wollen. Ich will nicht mehr. Ich brauche Zeit für mich. Abschalten. Entspannen. Erholen. Im Liegestuhl. Oder an einem anderen Lieblingsplatz.“

„Wenn ich dich anrufe, Gott, so erhörst du mich und gibst meiner Seele große Kraft“ (Psalm 138,3). So hat jemand einmal zu Gott gerufen und vielleicht dabei schon gespürt, dass sich alle Befindlichkeiten abschwächen.

Ob wir uns entspannt im Liegestuhl sehen oder angespannt - es ist der große Wunsch des Psalmbeters, dass wir nach der Sommerpause wieder raus kommen aus unserer Komfortzone.

Zum einen, weil das Sozialgefüge in unserem Land immer mehr in Schieflage gerät, wenn die, die etwas geben können, es einfach nicht tun.

Zum anderen, weil es doch auf uns ankommt: Auf unsere Ideen. Auf unsere Freundlichkeit. Auf unsere Energie. Außerdem: was haben nicht alles geschafft und in die Wege geleitet? Was wäre ohne uns gar nicht möglich gewesen?

Deshalb: Die Zeit im Sommer im Liegestuhl ist eine wunderbare Zeit. Und ebenso wunderbar ist es, wenn diese Wochen uns so zu neuen Kräften verhelfen, dass wir alle Liegestühle im September wieder gerne zusammenklappen und verstauen, weil wir sie nicht mehr brauchen. Nicht, weil es draußen kühler geworden ist, sondern weil wir uns wieder auf die Aufgaben freuen, bei denen wir gebraucht werden.

 

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