Sonntagsspaziergang Mainpost

Sonntagsspaziergang für Main Post Kitzingen, 4. Januar 2019 von Pfarrer Thomas Volk

Frieden suchen und ihm nachjagen

 

Kennen Sie sich mit dem Jagen aus? Oder sind Sie selbst Jägerin oder Jäger und haben eine Ahnung, wie lange es dauern kann, um einem Tier nicht nur auf die Spur zu kommen, sondern ihm auch nachzugehen und es zu stellen? Nein? Ich weiß es leider auch nicht.

Ich weiß aber, wie viel Zeit es braucht, bis etwas anderes endlich da ist. Ich meine den Frieden. Um ihn geht es in der diesjährigen Jahreslosung, die die ökumenische Arbeitsgemeinschaft für Bibellesen für dieses Jahr ausgesucht hat. Sie lautet: „Suche den Frieden und jage ihm nach!“ (Psalm 34,15b).

Ich lese daraus: Frieden muss man suchen. Er kommt nicht von alleine. Und wenn man ihn erspäht hat, muss man ihm nachjagen, ihn regelrecht verfolgen, wie Jäger ein Tier verfolgen, das sie erspäht haben.

Aber wo? Ich weiß nur, dass uns der Frieden im Alltag leicht verlorengehen kann. Jemand sagt ein falsches Wort. Jemand anderes wird mehr bedacht. Oder das harmlose Gerede baut sich zur Hetze auf. Und schon sind alle Bemühungen vergeblich.

Dieser knappen Jahreslosung entnehme ich auch, dass man sich nicht herausnehmen und sagen kann: „Sollen doch die anderen.“ Oder: „Ich sage mal lieber nichts, dann entsteht durch mich auch kein Unfrieden.“ Denn das ist ja auch keine Lösung. Wie oft entsteht eben kein Frieden, keine Klärung, keine Lösung, wenn ich mich heraushalte.

Eine Suchhilfe haben wir mitbekommen. Das ist der Frieden Christi, den wir uns an Weihnachten haben zusprechen lassen. Wenn Gott wirklich ganz unten in unserer Welt angekommen ist, dann bleibt er auch und wird nicht abgeräumt oder entsorgt, wie der der Weihnachtsschmuck in den kommenden Tagen.

Also ist der Frieden immer auch ganz nah bei uns. In unserem Alltag. Manchmal ist er direkt vor unseren Augen. Manchmal müssen wir richtig hinschauen. Manchmal müssen wir uns beeilen. Und oft nimmt die Suche mehr Zeit in Anspruch, als wenn wir mal schnell einkaufen gehen und alles Nötige im Handumdrehen im Einkaufswagen haben. Denn so muss das mit dem Jagen gemeint sein. Es braucht Zeit, Geduld und einen langen Atem.

Auf alle Fälle ist es Gottes großer Wunsch, dass wir diesen Frieden erleben und spüren, weil wir ihm wichtig sind und weil es sein großes Anliegen ist, dass wir froh und zuversichtlich durch dieses neue Kalenderjahr kommen.

 

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