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Jahreslosung 2019 - Psalm 34,15

Psalm 34,15 - Jahreslosung 2019 - 01.01.2019 - Marktbreit:

 

„Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes

und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen!“ (2.Kor. 13,13)

 

Liebe Gemeinde,

die diesjährige Jahreslosung besteht aus nur sechs Worten. Und eines davon erwartet man nicht unbedingt bei einer Jahreslosung.

Es ist nicht das Wort „Suchen“, sondern „Jagen“.

Die wenigsten von uns haben mit dem „Jagen“ zu tun und wir kaufen das, was wir brauchen, im Supermarkt oder in der Metzgerei.

 

Suchen und jagen - Sprache aus einer vergangenen Zeit

Aber so ist das, wenn wir heute im dritten Jahrtausend die Bibel lesen, dann tauchen wir immer in eine ferne und in eine vergangene Welt ein, in eine Zeit, in der es noch keine Kühltruhen, keine Einkaufstempel und erst recht keinen Online-Handel gege-ben hat.

Auch wenn es zurzeit des Alten Testaments schon lange Ackerbau und Viehzucht gegeben hat, so dass die Menschen nicht mehr - wie noch in viel früheren Zeiten - lebensnotwendig auf das Jagen angewiesen waren, so hat das „Suchen nach Essba-rem“ und das „Jagen“ eine viel größere Rolle gespielt als heute. Es hat auch einfach viel mehr Zeit in Anspruch genommen, als wenn wir heute mal schnell einkaufen ge-hen und alles Nötige im Handumdrehen im Einkaufswagen haben.

 

Der Frieden kann uns verlorengehen

Und jetzt verbindet die Jahreslosung die beiden Begriffe „suchen“ und „jagen“ nicht mit dem Erspähen und Verfolgen eines Tieres, sondern mit dem Frieden.

„Suche den Frieden und jage ihm nach!“

Ich höre daraus: Frieden muss man suchen. Frieden kommt nicht von alleine. Und wenn man ihn erspäht hat dann muss man ihm nachjagen, ihn regelrecht verfolgen, wie Jäger ein Tier verfolgen, das sie erspäht haben.

Aber wo? Ich weiß nur, dass uns der Frieden im Alltag leicht verlorengehen kann. Vor allem dann,

• wenn es nicht mehr so gemütlich zugeht, wie für viele von uns in den Tagen zwi-schen den Jahren,

• wenn man im Alltag täglich miteinander auskommen und sich arrangieren muss

• und auch dann, wenn man gefordert ist, Stellung zu beziehen und sich nicht aus dieser Sache herauszuhalten, weil sie einem ja nichts angeht.

Wir meinen häufig, um „des lieben Friedens willen“ sage ich jetzt mal nichts, aber das ist ja auch nicht die Lösung. Wie oft entsteht dadurch kein Frieden, keine Klärung, keine Lösung, wie es weitergehen kann“.

 

Die Interpretation der Jahreslosung von Andreas Felger

Wo man den Frieden kann? Damit kommt die Illustration von Andreas Felger ins Spiel.

Bestimmt haben Sie schon einen Blick darauf geworden und überlegt, was diese Zeichnung aussagen könnte.

Ich habe mir sagen lassen, dass Andres Felger seine Bilder nie erklärt. Alle können - und sollen auch - hineininterpretieren, was sie darin sehen, entdecken oder was ihnen deutlich wird. Und was ich Ihnen mitteile, sind meine persönlichen Gedanken. Vielleicht haben Sie ganz andere.

Gerade deshalb bekommen Sie heute wieder die Jahreslosung mit nach Hause, um dort das ganze Jahr über - immer wenn Sie einen Blick auf die Karte werden - etwas entdecken und es auch anderen mitteilen können.

 

Unten überwiegt das dunkle Blau. Darin sind Striche eingezeichnet.

• Ist damit das Durcheinander gemeint, indem wir uns gerade befinden?

• Ein Verkehrschaos, wie bei uns vor Weihnachten in der Bachgasse, der so man-che Autofahrer unfriedlich werden lässt.

• Ein Schiff mit Menschen, die dem Unfrieden in ihrem Land entfliehen wollen?

• Oder sind es Spuren und Fährten, in denen wir auf der Suche nach dem Frieden sind? Manche gehen hin und her, andere streben nach oben.

Und dabei immer wieder die Frage: „Wo kann man Frieden finden?“

 

Mir fällt auf, dass in den großen weißen Kreis oben keine Spur hineinführt. Dafür ver-läuft der senkrechte Strich des Kreuzes durch den weißen Kreis hindurch bis ganz nach unten.

Ich lese daraus, dass der Frieden Gottes, wie er uns an Weihnachten verkündet wur-de, zu uns unten auf Erde kommt und uns dort wirklich erreichen und treffen will. Das ganze Jahr über.

Die weißen Färbungen zwischen den Strichen zeigen mir, dass der Frieden auch hier und da aufblitzen kann und wir ihn erleben dürfen.

Das heißt für mich, dass Frieden keine Utopie, keine Traumgebilde sein und bleiben muss. Ich kann ihn erleben. Nicht unbedingt immerzu. Aber immer wieder. Der Frie-den ist greifbar. Nicht nur, weil wir seit über 70 Jahren im äußeren Frieden leben, sondern auch weil ich Menschen um mich habe, mit denen ich diesen Frieden erle-ben kann.

Aber der Frieden ist keine Garantie. Ein falsches Wort - oder jemand anderes ist mehr bedacht worden - oder die Hetze, die sich aufgebaut hat - schon bricht das zerbrechli-che Friedenshaus wieder ein oder - wie auf dem Bild - enden die bunten Striche im Dunkel.

 

Jahreslosung als schöne Lebensregel

„Suche Frieden und jage hm nach!“

Übrigens wird die Jahreslosung aus dem 34.Psalm im neuen Testament einmal zitiert. Und nicht nur dieser kleine Vers, sondern auch die beiden Verse zuvor (Psalm 34,13-15).

Im 1.Petrusbrief werden die Verse 13-15 als Richtschnur für ein praktisch, gelebtes Glaubensleben herangeführt. Und später wurden sie heiligen Benedikt von Nursia aufgegriffen als positive Lehrsätze für Menschen.

Der Erste Petrusbrief zitiert den 34.Psalm so: „Denn wer das Leben lieben und gute Tage sehen will, der hüte seine Zunge, dass sie nichts Böses rede, und seine Lippen, dass sie nicht betrügen. Er wende sich ab vom Bösen und tue Gutes; er suche Frie-den und jage ihm nach“ (1.Petrus 3.10-11).

„Gut leben und schöne Tage sehen“, das wollen wir doch alle in diesem neuen Jahr. Aber es geht nicht ohne unseren Einsatz. Suchen müssen wir selbst! Und wir als Kir-che müssen dabei glaubwürdig sein und bleiben.

 

Frieden auch woanders finden?

Denn es gibt ja auch noch diesen zweiten Kreis oben rechts. Er ist nur angedeutet. Er ist erscheint nicht in reinem Weiß, wird aber auch von zarten blauen Tönen durchzo-gen. Und er bildet eine Schnittmenge, mit dem großen weißen Kreis, den wir Christen als Ursprung unseres Friedens verbinden.

Was dieser angedeutete Kreis bedeutet? Mir sind zwei interessante Deutungen ge-kommen.

Die erste: Vielleicht steht dieser angedeutete Kreis für die anderen Religionen, die auch für den Frieden eintreten? In den großen Weltreligionen - im Christentum, im Islam, im Judentum, im Hinduismus und im Buddhismus gibt es diese gemeinsame Regel, die man hier als „Schnittmenge“ deuten kann. Weil sie als so wertvoll gesehen wird, nennt man sie auch "Goldene Regel". Kurz gefasst bedeutet sie in allen Religio-nen: „Behandle die anderen so, wie du auch behandelt werden möchtest!“ Dann ist der Frieden nicht mehr weit.

Aber im Unterschied zu den anderen Religionen können wir Christen niemals in den Bereich gelangen, den wir mit Gott verbinden, nicht nur übermäßige religiöse An-strengungen oder Frömmigkeit. Das macht unsere Religion aus, dass der Frieden zu uns auf die Erde kommt und wir ihn dort sozusagen umsetzen, verwirklichen.

 

Allerdings sind wir zurzeit von einem großen Weltfrieden weit entfernt. Und vielleicht kann der angedeutete Kreis auch zweitens für anderen Bereiche stehen, in denen Menschen ihren Frieden finden. Wir Christen sind in Deutschland längst keine Volks-kirche mehr, sondern eine Minderheitenkirche. Und es gibt bei uns viele Menschen, die am Sonntagmorgen zum Beispiel reiten und dort ihren Frieden wieder finden. O-der mit anderen in die Sauna gehen und sich dort allen Ärger der Woche von der See-le reden und dann wieder gestärkt an die Aufgaben herangehen.

Kirche hat in den vergangenen Jahren, Jahrzehnten, Jahrhunderten einfach zu viel Kredit verspielt, als dass viele ihr abnehmen, dass sie - und nur sie alleine - weiß wie Frieden geht und ihn auch vorleben kann.

Ich meine, auf die große Frage wie wir im Frieden leben können, - im inneren Frieden mit uns selbst und auch im Frieden mit den Menschen, mit denen wir zusammen-kommen - gibt es viele Antworten.

Und jeder / jede von uns muss seine / ihre eigene Antwort durch die eigene Praxis fin-den. Als Christen können wir nur hoffen, vertrauen und jeden Tag bitten, dass der Friede Christi bis hinunter in unseren Alltag reicht und wir ihn dort suchen, ihm nach-jagen, ihn spüren, erleben und dann weitergeben können.

Manchmal ist er ganz nah. Manchmal müssen wir die Augen aufmachen. Manchmal müssen wir es anders versuchen.

Aber auf alle Fälle ist es Gottes großer Wunsch, dass wir ihn erleben und spüren, weil wir ihm wichtig sind und weil es Gottes großes Anliegen ist, dass wir froh und zuver-sichtlich durch dieses neue Jahr kommen.

Und der Friede Gottes, der immer größer und weiter ist, als das, was wir sehen und empfinden, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

 
 

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