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Psalm 139,5 - Wertvoll wie eine Perle - Konfirmation am 08.Mai 2011 in St. Nikolai

Gnade sei mit euch und Friede von Gott, der uns wertvoll erschaffen hat. Amen.

Liebe Konfirmandinnen und Konfirmanden,

liebe Festgemeinde.

„Kostbar wie eine Perle“, unter diesem Gedanken steht der heutige Konfirmationsgottesdienst.



Bild von der Perle:

Perlen haben in ihrer Form und Farbe zu allen Zeiten die Menschen fasziniert. Ob als Schmuck oder als Handelswährung. Ein Gemälde des Niederländischen Malers Johannes Vermeer aus der Barockzeit ist sogar durch eine Perle zum berühmtesten Bild seiner Zeit geworden. Das Mädchen mit dem Perlenohrring. Das Porträt einer unbekannten jungen Frau, die am linken Ohr, das genau in der Bildmitte sitzt einen beeindruckenden Perlenohrring trägt. In dieser Perle reflektiert sich das Licht und es gibt dem ganzen Bild seinen besonderen Glanz. Kein Wunder, dass dieses Bild zu einem Roman und im Jahr 2004 zu einem sehr erfolgreichen Kinofilm inspirierte.

So wie in diesem Bild, so reflektiert jede einzelne Perle das Licht und damit ist sie ein außergewöhnliches Wunderwerk Gottes. Denn alle Edelsteine und auch Diamanten müssen erst aufwendig geschliffen werde, damit sie das Licht reflektieren.

Es gibt nur ein Element, welches von Natur aus und in Perfektion mit Glanz ausgestattet ist: Das Perlmutt einer jeden Perle.

Damit eine solche Perle entsteht bedarf es eines langen Reifeprozesses.  Ein Sandkorn oder ein Stück Muschelschale muss im Meer in eine Austernmuschel fallen. Dieser Kern, der immer unbekannt bleibt, wird zum Schutz für die Auster von Perlmutt umschlossen.  Immer weitere Schichten von Perlmutt legen sich darüber und so entsteht über die Jahre eine schöne Perle mit seidigem Glanz.

Ich finde solch eine Perle ist ein wunderbares Bild für uns Menschen. Auch wir entwickeln uns, Jahr für Jahr und werden zu denen, die wir sind.

Wir sind keine Edelsteine, die erst von außen den richtigen Schliff brauchen um etwas zu sein. Es ist bei uns vielmehr wie bei der Perle, von Anfang an sieht Gott uns an in unserem Glanz und er kennt uns bis ins Innere bis zum Kern unseres Herzens. So wie es der 139. Psalm sagt:

HERR, du
kennest mich.

du verstehst meine Gedanken von ferne.
Ich gehe oder liege, so bist du um mich
und siehst alle meine Wege.

Denn siehe, es ist kein Wort auf meiner Zunge,
das du, HERR, nicht schon wüsstest.

Von allen Seiten umgibst du mich
und hältst deine Hand über mir.

 

Rückblick auf die Konfirmandenzeit

Kostbar, sind wir Gott von Anfang an. Und wie die Muschel die Perle umgibt, so umgibt Gott uns von allen Seiten. Und wir dürfen uns entwickeln, wachsen und reifen.

Ich denke viele von uns Erwachsenen werden heute Morgen festgestellt haben: meine Güte wo ist die Zeit geblieben? Gerade erst, war doch noch Taufe und erster Kindergartentag, (den vergessen wir nie, den es war damals der 11. September 2001), und dann war erster Schultag und heute Konfirmation. 14 Jahre aufregendes Leben und stetige Entwicklung und heute Morgen hat man den Eindruck als seid ihr Konfirmanden, fast über Nacht ein Stück erwachsen geworden. Ja ihr seht wirklich alle ganz Klasse aus und ihr seid es auch. 

Das können mein Mann und ich und alle Jugendleiter, die euch begleitet haben so sagen. Wir haben euch erlebt als Menschen, die sich Gedanken machen, über Gott und die Welt, die eine eigene Meinung haben, die etwas zu sagen haben. Und das ist gut so. Gerne erinnern wir uns an die gemeinsame Zeit im Konfi-Camp in Italien. Bei herrlichem Wetter Morgenandacht am Strand und im Hintergrund das Rauschen der Wellen und der blaue Himmel. Zusammen Kochen und Essen. Arbeitseinheiten mit den Perlen des Glaubens, Tauferinnerungsgottesdienst mit den selbst gestalteten Taufstolen. Unsere Ausflüge die Toskana, Volterra und San Gimignano, wo man in den verwinkelten Gassen und Straßen das Mittelalter erspüren und die Kulisse des Films Twilight bestaunen konnte. 

Aber auch hier ging es ab September dann weiter mit vielen Mittwochnachmittagen und Konfi-Samstagen im Gemeindehaus in Segnitz. Gesangbuchrally, Vaterunser Blume, Abendmahlsliturgie, Angedacht, Nacht der offenen Kirchen in Würzburg, Der Andere Advent, das Labyrinth in Münsterschwarzach, die Kirchenerkundung von St. Martin und St. Nikolai, der Ausflug ins adventliche Nürnberg mit den beeindruckenden Kirchen St. Lorenz und St. Sebald, und und und … .

Vieles habt ihr kennengelernt, auch auswendig gelernt und vieles nehmt ihr mit aus dieser Zeit. Wichtig wäre uns, dass ihr eines immer wisst: ihr seid ganz wertvolle Menschen, die Gott geschaffen hat und die er - möge kommen, was mag -  in allem und durch alles begleitet.

Das Perlmutt der Perle lässt alle Farben des Lebens aufleuchten und so spiegelt auch ihr in eurer Einzigartigkeit die Farben des Lebens wieder.

 

Unsere Konfirmanden sind wertvoll

Ja ihr seid einzigartig und unendlich wertvoll:

Lisa Bachmeier:
Deine Intelligenz wird dich noch ganz weit bringen.

Lea Hofmann:
Deine Fröhlichkeit kann viele mitreißen. Mögest du sie immer bewahren.

Insa Klafke:
Auf deine Freundlichkeit wartet die Welt. Mit ihr wirst du noch viel bewegen.

Lara Matern:
Du schaust den Dingen auf den Grund, dir kann man nichts vormachen und das ist gut so.

Janina Mathe:
Vertrau dir selbst, in dir steckt sehr viel.

Selina Müller:
Du kannst gut beobachten und vieles sehen, was andere gar nicht bemerken.

Lena Preu:
Deine Energie kann vieles verändern und andere mitreißen.

Teresa Sämann:
Geh deinen eigenen Weg, du bist ein ganz wertvoller Mensch.

Lisa Thalmann:
Deine Kreativität wird Maßstäbe setzen und andere zum Staunen bringen.

Marie-Christine Volk:
was soll ich über dich sagen? Für alle, die es nicht wissen. Ich spreche gerade mit meiner Tochter. Wir sind einfach stolz auf dich, weil wir uns immer auf dich verlassen können

Anna Zauter
In dir steckt viel Energie, du wirst so manches bewirken.

Benjamin Beßendörfer:
Mit deiner Lebensfreude wirst du manche Menschen aufbauen können.

Lukas Grötsch:
Auf deine Ideen wartet die Welt. Verstecke sie nicht, sondern mach sie bekannt.

Felix Reinhart:

Auf dich kann man sich verlassen. Und du kannst einmal Verantwortung übernehmen.

Jakob Schlegelmilch:
Auch wenn dich manche vielleicht noch unterschätzen, deine Gedanken, die du dir um so vieles machst, sind sehr kostbar.

 

Eigene Erfahrungen machen lassen

Haben Sie gemerkt, liebe Eltern und Paten, liebe Angehörige und liebe Festgemeinde, was für wunderbare und wertvolle junge Menschen wir heute konfirmieren? Und wir alle, die wir heute gratulieren und mitfeiern, wollen diesen Tag zum Anlass nehmen, dass wir uns das neu in Erinnerung rufen. Unsere Jugendlichen sind ein absolutes Geschenk. Sie haben so viele Ideen, so viel Schwung, so viel Begeisterung.

Wir wollen diesen Tag zum Anlass nehmen, uns neu in sie hineinzuversetzen, sie weiter zu fördern, vielleicht nicht mehr so aufdringlich, aber auf alle Fälle wollen wir nicht mehr ständig reinreden und alles für sie besser wissen.

Sie werden manches anders machen als wir. Manchmal werden wir auch schlucken. Aber wir wollen ihnen zutrauen und zugestehen, dass sie ihre eigenen Erfahrungen machen dürfen und wenn etwas mal nicht so klappt, wir dann besserwisserisch daherkommen und sagen: „Das habe ich ja gleich gewusst.“

„In jedem Menschen ist etwas Kostbares, das in keinem anderen ist.“ Von Martin Buber stammt dieser Satz. Draußen im Schaukasten ist er ausgestellt und um diesen Vers herum unsere Konfirmanden. Und dieser Vers gilt übrigens auch für jede und für jeden von uns.

 

Für Gott einzigartig

Wir konfirmieren Euch heute, damit ihr darin bestärkt werdet. Für Gott seid ihr kostbar wie eine Perle. Besonders, einzigartig, unverwechselbar.

Der 139. Psalm sagt es so: „Von allen Seiten umgibst du uns, Gott, und hältst deine Hand über mir:“

Gott will euer kostbares und wertvolles Leben hüten. Will euch aufbauen, wenn ihr meint, dass es gerade niemanden gibt, der an eurem Können glaubt. Will euch Mut machen, wenn ihr an euch zweifelt, damit ihr zeigen könnt, zu was ihr alles imstande seid.

Vergesst das nie, auch wenn andere abschätzig von euch denken oder wenn andere vorgezogen werden. Es ist Gottes großes Anliegen, dass ihr eure Gaben weiter entwickeln und entfalten könnt und euch von einer momentanen Schieflage nicht ausbremsen lässt.

 

Glaube als eine Perle

Natürlich braucht ihr auch Bodenhaftung und immer wieder den Blick, worauf es eigentlich ankommt. Deshalb es ist Gottes großer Wunsch, dass auch der Glaube an ihn, den ihr heute bekennt, für euch zu einer kostbaren Perle wird.

Schaut euch um. Das hier ist eure Kirche. Und wenn ihr beim nächsten Mal hierherkommt, dann denkt euch die Blumen bei diesem Weg, auf dem wir eingezogen sind, dazu. Und all die vielen Perlen, die heute für euch aufgereiht sind. Nicht nur ihr seid Perlen, auch der Glaube ist wie eine Perle, ist kostbar, der Glaube an den Gott, der euch im Leben immer weiterbringt.

Wir alle hoffen sehr, dass wir euch wiedersehen. Die Kirchengemeinde braucht euch. Beim Gestalten unseres neuen Jugendraumes im Gemeindehaus. Bei den Jugendgottesdiensten. Beim Konfi-Treff für die Jugendlichen nach euch und natürlich auch als Mitarbeitende beim Konfi-Camp.

Und die Erfahrungen, die ihr als Mitarbeitende dabei macht, sollen euch wiederum beflügeln für alles andere und immer wieder neu gewiss machen: Ich bin wertvoll, wie eine kostbare Perle. Und mit deinen Gaben kannst du viel bewirken.

 

Kreuz mit der Muschel

Das ganz neue Lied der britischen Pop und Soulsängerin Adele gibt das passende Motto dazu, wenn sie singt „Set fire to the rain.“ Ich zünde ein Feuer im Regen an.“

Ich lass mich nicht unterkriegen von ein paar Tropfen oder von ein paar Zwischenrufen, die mich ausbremsen wollen. Ich zünde ein Feuer im Regen an, auch wenn es hier und da mal ausgeht oder wenn etwas nicht die gewünschte Wirkung hat, die ich mir erhofft habe. Aber sich niemals allen Mut nehmen lassen und sich auch nicht verunsichern lassen, wenn andere lauter rufen.

Denkt groß von euch. Sagt allen Lehrern, die euch nicht verstehen wollen, eure Meinung. Sagt all denen in der Kirche, die Gott und die Menschen klein halten, das Gegenteil. Schaut euch an. Ihr seid wie eine Perle. Und Gott traut euch viel zu, auch ein Feuer im Regen anzuzünden.

Dieses Kreuz mit der Muschel, dass ihr von eurer Kirchengemeinde geschenkt bekommt, will euch gewiss machen: Geht als wertvolle junge Menschen euren ganz eigenen Weg. Seid dabei gewiss, dass Gott euer Leben hüten und achten möchte. Und nehmt den Glauben als ein kostbares Geschenk mit.

Der Gott der Hoffnung aber erfülle euch mit aller Freude und Frieden im Glauben, dass ihr immer reicher werdet an Hoffnung durch die Kraft des Heiligen Geistes (Römer 15,13).

• Predigt von Pfarrerin J. Barraud-Volk und Pfarrer Volk zur Konfirmation am Sonntag Misericordias Domini - 08.05. 2011
St. Nikolai