Predigtansicht

Suche Frieden und jage ihm nach! - Gottesdienst am Vorabend der Konfirmation am Samstag, 04. Mai in St. Nikolai, Marktbreit

Liebe Konfirmanden,

liebe Gemeinde,

ein Basketballkorb hängt an der Wand. Einfach so. Sonst ist auf dem Bild nichts zu sehen. Keine Mannschaften. Kein Spieler, der gerade zu einem „Dunking“ ausholt. Keine jubelnden Fans. Nicht einmal ein Ball. Nur dieser eine Korb. Und dann ist da noch dieses kleine Fenster, das kaum auffällt, weil es durch die Schrift verdeckt wird.

 

Aber was hat das Suchen und das Jagen nach dem Frieden mit einem Basketballkorb zu tun?

„Suche Frieden und jage ihm nach!“ Das sind besondere Worte aus der Bibel. Denn es handelt um die Jahreslosung für dieses Jahr.

Hast du es gewusst? Es gibt jedes Jahr einen Vers aus der Bibel, mit man sich immer wieder auseinandersetzen soll? 12 Monate lang. Und weil die Sache mit dem Frieden nun wirklich keine leichte und einfache Sache ist, nehmen sich Christen dieses Jahr besonders dafür Zeit und fragen sich: Suche ich den Frieden? Wo? Habe ich ihn schon mal gefunden? Und wenn ja, wie hat sich das angefühlt? Kannst du dieses Gefühl beschreiben?

 

Aber nochmal zu dem Basketballkorb. Wie passt der zum Suchen und Jagen nach dem Frieden?

Vielleicht sollen wir den Frieden so suchen wie wir den Sieg bei einem Basketball- oder anderem Spiel suchen und nicht nachlassen sollen, weil wir meinen, wir gewinnen ohnehin nicht mehr?

Oder wir sollen dem Frieden hinterherjagen wie wir versuchen einen Rückstand wettzumachen?

Oder so lange Suchen und Jagen bis wir wie in einem Basketballspiel endlich mal einen Korb erzielt haben. Das ist ja für viele auch nicht so einfach.

Du merkst: Frieden muss man suchen. Frieden kommt nicht von alleine. Man muss genau hinschauen, so wie man gut aus dem kleinen angelaufenen Fenster blicken muss, wenn man draußen etwas entdecken will.

Und wenn man den Frieden erspäht hat, dann muss man ihm nachjagen, ihn regelrecht verfolgen, wie man den Sieg in einem Spiel, in dem es eng zugeht, nicht aus den Augen verlieren soll.

Das ist echt anstrengend, weil wir nicht immer finden. Und dann sinkt unsere Motivation wie der Schatten des Basketballkorbes an der Wand, der schlapp herunterhängt und wir haben keine Lust mehr zu suchen, weil es doch nichts bringt oder weil es die anderen auch nicht machen.

 

Heute, am Vorabend eurer Konfirmation, wollen wir das tun. Den Frieden suchen und ihn auch finden: Ihr Jugendliche, Sie, die Eltern, Geschwister, Patinnen und Paten, Großeltern, Gäste, ich natürlich auch.

Wir möchten doch alle dieses wunderbare Fest im echten Frieden feiern. Nicht nur im äußeren Frieden, weil wir nicht Sri Lanka oder an anderen Orten leben, in denen im Moment auf Christen Anschläge verübt werden. Wir wollen dieses Fest auch im inneren Frieden feiern, in dem man sich so richtig wohlfühlen kann.

 

Deshalb machen wir uns zuvor bewusst. Wir sind nicht die perfekten Menschen.

Wir lassen lieber andere suchen und denken nicht nach, wie das ankommt, was wir sagen oder auch sein lassen

Wir übersehen andere neben uns, wie manchmal im Sport, wenn man doch besser abgegeben hätte.

Deshalb feiern wir heute Abend Beichte. Das ist ein schreckliches Wort. Eigentlich müsste es besser „gemeinsame Einwilligung, dass wir falsch gelegen sind“ heißen oder „gegenseitige Friedensbekundung“ oder „Absichtserklärung, den Frieden wirklich immer wieder suchen zu wollen“.

Auf alle Fälle ist gemeint: Gott spricht dir seinen Frieden zu. Weil du einfach einmalig bist. Weil du es ihm wert bist. Weil er dich schon bei deiner Taufe hat wissen lassen: Ich bin an deiner Seite, wenn du in dieser Welt keinen Frieden findest.

Aber Gott hat dir auch Augen gegeben, dass du siehst, wenn jemand im Unfrieden lebt. Er hat dir Ohren gegeben, dass du genau hinhören kannst, wenn andere einen fertig machen. Er hat dir auch einen Mund gegeben, damit du die richtigen Worte findest, damit alles wieder gut werden kann.

So ist das gedacht: Den Frieden suchen, ihm nachjagen, ihn dann auch finden, spüren und weitergeben.

Amen.

 

--> Predigt gehalten am Vorabend der Konfirmation von Pfarrer Thomas Volk in St. Nikolai, Marktbreit