Predigtansicht

Psalm 71,5 - Du bist meine Zuversicht, mein Gott - Konfirmation

Um anschaulich zu machen, worum es heute geht, habe ich Euch, liebe Konfirmandinnen und Konfirmanden, etwas mitgebracht (Anker auf laminierter Folie zeigen).

Können Sie es, liebe Festgemeinde, auch erkennen?

Es ist ein Anker.

Eigentlich wollte ich uns heute einen richtigen Anker vom Schiffsanleger unten am Main mitbringen, aber die waren alle zu schwer. Deshalb habe ich stellvertretend dieses Exemplar dabei.

Dieser Anker auf meiner Folie passt aber wunderbar zum heutigen Tag, denn er ist nicht irgendein Anker. Es gibt ihn wirklich. Nicht aus Papier, sondern aus Eisen. In dieser Kirche. Entdeckt ihr ihn?

Das Original befindet sich hier oben auf dem Gitter zwischen der Empore und der Kanzel. Der echte Anker ist ziemlich alt. Er stammt aus dem Jahr 1731 und gehörte zum Wappen einer berühmten Marktbreiter Familie. Für uns heute ist dieser Anker ein sprechendes Zeichen.

Jeder weiß: Mit ihm macht man ein Schiff fest, vor allem dann, wenn es keine Haltebefestigungen am Ufer gibt. Lässt man den Anker hinunter, so gräbt er sich in den sandigen Boden ein, verhakt sich, so dass sich das Schiff nicht davon machen kann. Das Schiff liegt sicher, kann sich nicht loslösen und irgendwo hin abtreiben.

 

Ich habe uns diesen Anker mitgebracht, weil er mich zum einen an unsere gemeinsame Zeit auf Sylt erinnert. Ihr wart die ersten Marktbreiter Konfirmanden, die ein KonfiCamp auf der wunderschönen Nordseeinsel verbracht haben. 11 Tage haben wir nicht nur über den christlichen Glauben geredet. Wir haben ihn gelebt, ausprobiert, wie tragfähig er ist. Ob in unseren Arbeitsgruppen am Vormittag, beim gemeinsamen Baden in der Nordsee bei 16? und tollen Wellen, beim gemeinsamen Kochen und Essen mit unserer Chefköchin Sabine, bei unserem Schiffsausflug zur Hallig Hooge oder bei unserem Abendmahlsgottesdienst am letzten Abend am Strand - diese Zeit hat uns deutlich gemacht: Eine Gemeinschaft, die es schafft, dass ganz unterschiedliche Menschen miteinander auskommen können, ohne dass die einen die großen Superstars und die anderen die ewigen Verlierer sind, lässt auch etwas von dem durchscheinen, worum es im christlichen Glauben geht.

Das ist ja der Unterschied zwischen Gott und DSDS, dass wir bei Gott nicht auf eine bestimmte Rolle festgelegt werden. Bei ihm bist du nicht als ewige Zicke abgestempelt, die immer dagegen ist. Nicht als Paradiesvogel belächelt, der den Abend zwar ein bisschen bunter macht, den man aber sonst nicht besonders ernst nimmt. Du bist auch nicht der, der sich niemals weiterentwickelt und immer nur stehen geblieben ist.

Gott möchte gerade, dass du weiterkommst, dass du deine Möglichkeiten ausschöpfen kannst, und dass du es immer auch anders machen kannst. Gott schätzt dich hoch ein. Es ist sein Wunsch, dass du einen „guten Lauf“ (Anmerkung: Das war das Thema des Vorstellungsgottesdienstes vor vier Wochen) hast.

Unsere Gemeinschaft auf Sylt ist Ausdruck der Wertschätzung gewesen, die jede und jeder von uns bei Gott hat. Ich bin mit euch an die Nordsee gefahren, damit euch das deutlich wird. Und ich wünsche mir natürlich, dass diese Zeit mitgeholfen hat, dass ihr - um mit diesem Anker zu sprechen - euch auch an diesem Gott, der euer Leben so hoch schätzt, besser festmachen könnt.

 

Genau darum geht es ja heute: um das Festmachen. Auch dafür steht dieser Anker. Wenn ihr in diesem Gottesdienst euren Glauben bekennt und gefragt werdet, ob ihr unter Jesus Christus, eurem Herrn, leben, im Glauben an ihn wachsen und als evangelische Christen in seiner Gemeinde bleiben wollt, dann werdet ihr nichts anderes als das gefragt, ob ihr euch an diesem Gott festmachen wollt.

 

Wenn es heute um das Festmachen geht, dann sagt mir dieser Anker auch, dass ich mich nicht mehr an euch festmachen kann - nicht mehr in den Konfirmandenstunden im Gemeindehaus, nicht mehr in den Gottesdiensten, nicht mehr bei den Ausflügen nach Würzburg und Bad Windsheim.

Wenn ich euch so anschaue in eurer tollen und schicken Kleidung, dann wird mir heute ganz deutlich bewusst, dass ihr euch in dem letzten Jahr ganz schön verändert habt. Ihr seid ein Stück erwachsen geworden. Ihr geht immer mehr eure eigenen Wege. Macht immer neue Termine aus. Einige von euch sind kritischer geworden. Gut so. Andere mutiger. Großes Kompliment. Und manche haben an Höflichkeit, von der ihr wisst, dass ich so darauf stehe, zugelegt. Toll!

Das habe ich mit Ihnen, liebe Eltern, heute gemeinsam: Wir - Sie und ich – müssen darin erwachsen werden, dass wir unsere Jugendlichen nicht mehr ständig festhalten können, jedenfalls nicht dann, wenn sie es nicht wollen. Wir können ihnen nicht ständig rein reden und können nicht alles für sie besser wissen. Uns muss klar werden, dass wir noch mehr in den Hintergrund treten müssen.

Nicht dass wir uns völlig verabschieden und kein Interesse mehr zeigen, weil uns alles zu viel und zu anstrengend wird und wir sie einfach sich selbst überlassen.

Ich habe unsere 16 Jugendlichen als wunderbare Menschen kennengelernt, die es allesamt verdient haben, dass man sie weiter fördert, ihnen Mut macht, sich mit ihnen befasst, aber anders als bisher. Das wird unsere Aufgabe sein, das richtige Maß zwischen Loslassen und Lenken zu finden.

Auch dafür steht dieser Anker, denn er war in alter Zeit übrigens nicht nur ein Mittel zum Festmachen, sondern diente auch zum Manövrieren. Je nach dem, an welcher Seite man ihn hinunter ließ, so führte er das Schiff in die entsprechende Richtung. Ein kleines bisschen reichte schon, um auf einen anderen Kurs zu kommen. Das ist auch ein treffendes Bild für unser immer mehr unaufdringlicheres Lotsen und Führen.

 

Und dann ist der Anker immer schon ein christliches Symbol gewesen. Ein Anker in einer Kirche steht immer für etwas ganz Bestimmtes. Vielleicht kommt ihr selbst drauf: Man kann es nicht sehen … man kann es nicht kaufen … aber wir alle brauchen es … ohne es könnten wir alle nicht leben … viele wünschen sich mehr davon … und anderen geht sie sie viel zu leicht verloren … eine Redeweisheit sagt, dass sie zuletzt stirbt.

Was es ist? Es ist die Hoffnung.

 

Der Beter des 71. Psalms hat einmal so davon gesprochen: „Du bist meine Zuversicht, Herr, mein Gott, meine Hoffnung von meiner Jugend an“ (Psalm 71,5).

Als er diese Worte ausgesprochen hat, da war er viel älter als er ihr. Diese Worte sind ihm einmal über seine Lippen gekommen, als er auf sein Leben zurückgeschaut hat. Vielleicht war er am Meer gesessen und hat gesehen, wie die Fischerboote im Hafen einlaufen und wieder ausfahren. Und wie die Boote hin- und herziehen, so sind ihm vielleicht auch Bilder seines Lebens im Kopf vorbeigezogen. Die schönen Momente, aber auch die kritischen, wo so manches auf der Kippe stand und noch nicht sicher war, wie es ausgeht. Und wie er so nachdenkt, wird ihm deutlich, dass an den entscheidenden Momenten immer wieder Hoffnung da war und er wieder nach vorne schauen konnte.

 

Hoffnung hat immer mit Zukunft zu tun. Und wenn dir heute diese Worte: „Du bist meine Zuversicht, Herr, mein Gott, meine Hoffnung von meiner Jugend an“ zugesprochen werden, dann darfst du wissen: Ich darf in meinem Leben viel Hoffnung haben.

Der Anker, ein altes christliches Symbol der Hoffnung, sagt dir: Du kannst dich auf Gott verlassen. Auch wenn es noch so stürmisch um dich ist. Auch dann, wenn du kein Land mehr siehst. Du darfst heute in dein ganz eigenes Leben aufbrechen, ohne dass ständig eine Jury an dir herummäkelt. Du darfst immer neue Wege entdecken und ausmachen.

Ist euch der Querbalken auf dem Anker aufgefallen? Er ist wie ein Kreuz. Das Kreuz steht für Christus. Es steht dafür, dass das das Kreuz nicht das Ende gewesen ist. Nicht das Aus und vorbei, das alle Hoffnungen weggewischt hat. Das Kreuz steht für den Ort oder für den Moment, an dem Gott dann doch neues Leben ermöglicht hat, ganz anders als gedacht, Hoffnung auf ein Leben, das stärker und größer ist als alles, was dagegen spricht

 

Wenn du gleich konfirmiert wirst, dann darfst du wissen: Gott macht sich auch an mir fest. Er gibt mir seinen Segen, damit mir die Hoffnung niemals ausgeht.

Du Marcel, der du deinen ganz eigenen Weg gehst. Du darfst heute wissen: Gott wird immer an deiner Seite sein, bei allem, was auch geschehen wird.

Du Kai hast ein großes Herz wie wenige. Mit dir ist man einfach gerne zusammen.

Mit deiner Unbekümmertheit, Alex, wirst noch viel in die Wege leiten. Möge Sie sie dir immer erhalten bleiben

Nils, du siehst viele feine Dinge, die andere nicht sehen. Gott hat dir jetzt schon jede Menge innere Größe mitgegeben.

Sophia, dein Leben ist kostbar. Du wirst sehen, dass du mit viel Zuversicht deinen ganz eigenen Weg gehen kannst.

Jule, du bist eine wertvolle Jugendliche. Auf dich kann man sich verlassen.

Lisa, du wirst manche noch überraschen und viele werden noch stauen, was du einmal alles zustande bringen wirst.

Fabienne, auf deine Freundlichkeit wartet die Welt und Gott wird dir auf deinen Wegen freundlich entgegenkommen.

Jasmin, wer dich an seiner Seite weiß, kann glücklich sein.

Carina, auch in dir schlummert noch so viel. Du kannst mit ganz viel Mut an deine Aufgaben gehen.

Simon, du bist noch ganz am Anfang, deine eigenen Möglichkeiten auszuloten. Auf deine Einfälle wartet die Welt.

Max, auf dein Wissen hoffen einmal viele. Du wirst noch so manches im Leben erklären und aufklären.

Christoph, du wirst einmal deine Welt so verändern, dass andere sich darin wohlfühlen.

Yannick, deine Ehrlichkeit macht dich so wertvoll und viele können darauf bauen.

Ricardo, du bist wertvoll. Auf dich kann man zählen.

Und bei dir, Uwe, bin ich gespannt, was du alles in die Wege leiten wirst.

 

Haben Sie gemerkt, liebe Festgemeinde, was für wunderbare und wertvolle junge Menschen wir heute konfirmieren?

Und wenn ihr, liebe Konfirmandinnen und Konfirmanden, in vielen Jahren einmal beim Surfen im Internet auf die Homepage eurer Kirchengemeinde Marktbreit klickt, und die Bilder von heute noch einmal anschaut und vielleicht auch diese Predigt noch einmal überfliegt, dann mögen euch bestimmt auch Momente oder Ereignisse in den Kopf kommen, wo ihr überall Hoffnung bekommen habt, wo es dann mit Gottes Hilfe weitergegangen ist oder wo sich dann doch ein Weg aufgetan hat.

Ihr bekommt heute ein Kreuz geschenkt. Darauf ist ein Schiff zu sehen. Es soll euch gewiss machen. Ihr dürft mit viel Hoffnung auf eure Lebensreise aufbrechen. „Denn Gott ist eure Hoffnung von eurer Jugend an.“

Sein Friede möge euch dabei geleiten. Amen.