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Psalm 36,6.10 - So soll es sein, so kann es bleiben - Silberne Konfirmation

„So soll es sein, so kann es bleiben. So hab ich es mir gewünscht.

Alles passt perfekt zusammen, weil endlich alles stimmt.“

So singt die Band Ich + Ich in ihrem neuesten Lied.

 

Ob Sie, liebe Silberne Konfirmanden, das heute auch sagen können? „So soll es sein, so kann es bleiben. So hab ich es mir gewünscht.

Was habe ich doch alles geschafft im Leben? Und was habe ich alles erreicht und in die Wege geleitet?

Ich habe viel investiert. In die Ausbildung. In die neue Wohnung. Habe lange gebraucht, bis ich mir mit der Hochzeit auch sicher gewesen bin. Ich habe mir immer schon gewünscht, dass ich einmal dahin komme, wo ich heute stehe.

Und Sie, liebe Gemeinde, Können Sie das heute auch nachsprechen: Eigentlich passt doch alles perfekt zusammen. Die großen Linien stimmen. So könnte es sein und bleiben, zumindest für einige Zeit noch.

Es ist schön, wenn man das so von sich sagen kann. „So kann es bleiben. So hab ich es mir gewünscht.“ Und ich wünsche mir, dass noch einige Zeit so bleibt.

 

Vielleicht sind Sie heute Morgen aber auch mit ganz anderen Gefühlen hierher gekommen, treten auf der Stelle oder laufen noch oder wieder hinterher oder meinen, dass im Moment gar nichts so recht zusammen passt.

Wir alle feiern heute ein Fest, an dem es nicht darum geht, was man alles geschafft hat und wie weit man gekommen und wie hoch man geklettert ist, sondern an dem man überlegt und für sich selbst überlegt: Was habe ich an Gutem alles empfangen?

Wie sehr bin ich bewahrt worden, damals als es auch hätte schief gehen können. Wie oft waren dann doch Kräfte da, die mir auf einmal zugewachsen sind. Mit welchem Mut bin ich dann doch an die eine Aufgabe herangegangen. Kaum zu glauben, dass ich das Vertrauen in das Leben wiederfand, nach all dem, was ich mitgemacht habe. Und wenn ich es mir recht überlege, dann gab es immer wieder auch Menschen, die ganz für mich da waren, die Schweres und auch Frohes mitgetragen haben.

 

Silberne Konfirmation feiern heißt, dass man - nicht nur bei dem, was perfekt gewesen, sondern auch bei dem, was lückenhaft geblieben ist - für sich sagen kann:

„Gott, deine Güte reicht, so weit der Himmel ist, und deine Wahrheit, so weit die Wolken gehen.

Denn bei dir ist die Quelle des Lebens, und in deinem Lichte sehen wir das Licht.“

 

Aus dem 36. Psalm stammen diese Worte, dem Wochenpsalm für diese neue Woche. So hat jemand mal gesprochen, der eine Rast auf seiner Lebensreise eingelegt hat. Er ist dazu in den Tempel gegangen. Und wie er so da sitzt und auf sein Leben schaut, da sind ihm noch einmal - wie in einem Film - viele Bilder seines Lebens durch den Kopf gegangen. Nicht nur die, auf denen er sagen konnte: So soll es sein, so kann es bleiben. Auch die, die er gerne schnell wieder beiseite legen möchte, wo er nicht ganz auf der Höhe war, wo so manches auf der Kippe stand und auch ganz anders hätte ausgehen können.

Und noch eines wird ihm deutlich: Bei allem, was gewesen ist, hat er immer wieder festen Boden unter den Füßen bekommen. Eine schlimme Sache ist dann doch vorbei gewesen. Eine Krankheit war gebannt. Man hat ihm verziehen. Der Kopf ist wieder frei geworden. Er konnte wieder durch die Straßen tanzen.

Und wie all diese Bilder wie im Zeitraffer an ihm vorbeiziehen, da kann er gar nicht anders als zu rufen: „HERR, deine Güte reicht, so weit der Himmel ist, und deine Wahrheit, so weit die Wolken gehen.

 

Silberne Konfirmation feiern heißt auch, sich erinnern, dass Gott ebenfalls im Leben dabei gewesen ist. Dass seine Güte sich wie ein roter Faden durch das Leben zieht

Auf der großen Papierbahn, die von der Decke des Chorraumes zum Altar hinunterreicht, ist er zu sehen, der rote Faden. Manchmal verschlungen, manchmal geradlinig, und an einigen Stellen völlig verwurstelt. Aber dennoch da.

Und heute erinnert dieser rote Faden Sie daran, dass Gottes Güte auch dabei gewesen ist, dass man im Leben weiter kommen konnte.

Dass Gott neue Wege eröffnet hat. Dass man mit seiner Hilfe so manches durchgestanden hat, von dem damals, vor 27, 26 und 25 Jahren noch gar nicht wusste, was alles im Leben passieren kann.

 

27 Jahre sind seit Ihrer Konfirmation am 3. Mai 1981 vergangen.

1981 war nicht  nur das Jahr, in dem der erste Indiana Jones Film, Jäger des verlorenen Schatzes, und damit der Beginn einer ganz besonderen Abenteuerreihe begonnen hat.

Dieses Jahr stand vor allem im Zeichen der Friedensbewegung. Die USA und die Sowjetunion waren beide in dem Wahn, den Rüstungswettlauf für sich gewinnen zu können. Das geteilte Europa sollte dabei als Basis für nukleare Mittelstreckenraketen eine Schlüsselrolle spielen. Vor diesem Hintergrund kam es 1981 in Deutschland und in ganz Europa zu großen Friedenskundgebungen.

Vielleicht haben Sie es damals noch nicht gespürt, wie bedroht Frieden immer wieder ist, im Großen wie im Kleinen. Vielleicht haben Sie es später erst gemerkt, wie behütet man doch damals war und wie unbeschwert vieles gewesen ist. Und vielleicht haben es Sie später selbst einmal erleben müssen, wie leicht Frieden entgleiten kann und wie machtlos man ist, wenn man etwas nicht mehr wieder gutmachen kann.

 

1982 war das Jahr, das musikalisch ganz im Zeichen der Neuen Deutschen Welle stand. Markus stand auf Platz 1 der Hitparaden mit dem Lied „Ich will Spaß“. Später erst hat man gemerkt, dass das Leben nicht immer nur spaßig und lustig und unbekümmert ist.

Wie anstrengend ist es gewesen sich in der Welt der Großen einen Platz zu erkämpfen. Manche von Ihnen haben sich schon bald nach der Konfirmation den passenden Beruf aussuchen, sich für die richtige Lehre entscheiden müssen. Und später dann noch andere wichtige Weichenstellungen fürs Leben. Der richtige Lebenspartner. Die Frau fürs Leben. Der optimale Wohnort. Bleibe ich in Marktbreit? Oder will ich mal raus, aber so richtig rauskommen, weiter weg als bis nach Obernbreit oder Gnodstadt. Viele Fragen sind auf sie eingeströmt.

 

Im Jahre 1983 war einer der großen Kinofilme des Jahres „Flashdance“, die Geschichte der 18-jährigen Alex. Tagsüber arbeitet sie als Schweißerin, nachts ist sie Tänzerin in einer Bar. Alex hat mehrere Lebensträume. Sie will mehr Unabhängigkeit erlangen, die große Liebe finden und in ein Tanz-Konservatorium aufgenommen werden.

Wie viele von Ihnen mögen damals auch an die große Karriere geglaubt haben - und an die große Liebe. Viele Pläne und Wünsche. Und manches wollten Sie ganz anders machen, nicht zu verbissen und auch nicht zu spießig.

Und was haben Sie nicht alles versucht und gelernt? Und wovon sind sie wieder abgekommen? Wie oft haben Sie sich verrannt, manchmal auch blind vor Liebe. Nur dieser eine, diese eine musste es sein. Und so manchen Abschied. Und dann wieder ein Neubeginn. Wie oft sind Sie ins Stolpern geraten und wieder aufgestanden, hatten die Kraft bekommen, weiter zu machen.

 

Heute sind Sie eingeladen, die Worte aus dem 36. Psalm in ihre Lebensgeschichte einzuspeichern: „HERR, deine Güte reicht, so weit der Himmel ist, und deine Wahrheit, so weit die Wolken gehen.

Deine Güte habe ich gespürt, als du immer wieder einen Weg für mich aufgezeigt hast, auf den ich so nicht gekommen wäre.

Gut, dass deine Wahrheit höher und umfassender ist, als das, was ich gerade immer nur wahrnehme. Und auch wenn ich mir manches so nicht ausgesucht habe, aber du hast mich immer auf die Spur gebracht.

Ich bin froh, dass ich es bis hierher geschafft habe und heute hier in dieser wunderschönen Kirche sein kann, die einen festen Platz in meiner Lebensgeschichte hat und mit der ich so vieles verbinde.

Ich bin dankbar, dass ich heute hier sein kann und eine kurze Auszeit auf meiner Lebensreise nehmen darf. Ich bin auch deshalb dankbar, weil dieser Tag mich bestärkt, dass ich mit viel Vertrauen all das angehen kann, was noch kommt.

 

Es war für mich schön, Sie alle gestern Abend im Gemeindehaus erlebt zu haben. Manche habe ich zum ersten Mal gesehen. Ich habe bei Ihnen ganz viel Energien gespürt. Große Lebensfreude. Und wir haben viel gelacht. Und sie haben erzählt, dass sie noch viel vor haben. Das ist schön.

Silberne Konfirmation sagt auch: Das war erst der Anfang. Die zweite Halbzeit beginnt. Auch wenn wir nicht wissen, wie lange wir mitspielen können. Es kommt noch was. Es liegt noch viel vor Ihnen.

 

Der Sänger von Ich + Ich singt auch nicht nur davon, dass am Besten alles so bleiben soll wie es ist. Er weiß auch, dass diese Momente, in denen man so sagen kann, viel zu kurz sind. Er singt deshalb weiter:

„Ich weiß da ist noch mehr.

Es liegt noch so viel vor mir, ich lauf noch hinterher.“

Wenn man so um die 40 ist, braucht man in keine Krise zu verfallen und alles Frühere bedauern.

So mit 40 darf man sagen: „Ich weiß da ist noch mehr.“

Man kann noch viel gelassener werden, kann endlich manche Maske ablegen, muss sich und anderen nichts mehr beweisen. Braucht nicht in Panik zu verfallen, wenn man schon eine Lesebrille braucht, sondern kann ganz locker sagen: „Ich wollte mir schon immer ein besonders schickes Modell aussuchen.“

Oder sich mal was gönnen: Wie wäre es mit einen Sprachkurs? Beim Marktbreiter Gospelprojekt mitmachen. Trompete lernen beim Posaunenchor? Einen schönen Sommerabend an der Auber Freilichtbühne verbringen? Die Wochenenden nicht mehr so verplanen. Die Zeit nutzen, in der die Kinder einen nicht mehr so brauchen und die Eltern einen noch nicht. Und sich immer wieder mal Gedanken machen, wie viel Geschenktes im Leben dabei ist.

 

Der Beter des 36. Psalms sagt deshalb: „Bei dir ist die Quelle des Lebens, und in deinem Lichte sehen wir das Licht.“

Wir alle wollen Sie heute aus diesem Gottesdienst entlassen mit der Zuversicht, dass Gott die Quelle allen Lebens ist, die auch für jede und jeden von Ihnen und uns noch eine Menge Möglichkeiten bereit hält.

 

„So soll es sein, so kann es bleiben. So hab ich es mir gewünscht“ singt die Band Ich + Ich.

Gott spricht. „So soll es sein, so kann es von mir aus bleiben“, nämlich dass wir beide gemeinsam durchs Leben gehen.

Uns wird dabei kein Leben ohne Mühen und ohne neue Herausforderungen versprochen. Aber ein Leben, in dem wir Gott wie eine sprudelnde Quelle erfahren dürfen mit immer wieder neuen Aussichten und Ausblicken.

Und die Güte Gottes, die höher und umfangreicher ist als alles, was wir erleben und erfahren, bewahre uns und mache uns mutig für alles, was noch kommt.

Amen.

 

Predigt zur Feier der Silbernenen Konfirmation, 2. Sonntag nach Trinitatis, 1. Juni 2008, gehalten von Pfarrer Thomas Volk in St. Nikolai, Marktbreit