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Psalm 27,1 - 2.Sonntag nach Trinitatis - Goldene, Diamantene, Eiserne und Gnaden-Konfirmation

Psalm 27,1 - 2.Sonntag nach Trinitatis -

Goldene, Diamantene, Eiserne und Gnaden-Konfirmation - 09.06.2013 - Marktbreit:

 

Liebe Gemeinde, liebe Jubilare!

„Bis hierher hat mich Gott gebracht!“ So haben wir gerade gesungen und deshalb feiern wir heute mit Ihnen ein ganz besonderes Fest.

Es ist ein Fest, bei dem es nicht darum geht, was wir alles im Leben erreicht, mit eigenen Kräften geschafft und mit eigenem Vermögen in die Wege geleitet haben. Dieser Tag heute möchte uns aufs Neue gewiss machen,

·        dass vieles uns auch geschenkt worden ist;

·        dass aller Lebensmut, der auf einmal wieder dagewesen ist, nicht aus uns selbst heraus erwachsen ist;

·        und dass, was uns gelungen ist, nicht nur unserer eigenen Leistung zu verdanken ist.

 

Wie Ihr Leben bis heute auch verlaufen ist, welche Wegstrecken Sie auch immer in Ihrem Leben zurückgelegt haben, heute sind Sie - und wir alle mit Ihnen - eingeladen, die Worte mitzusprechen, die das Thema für den heutigen Sonntag anzeigt. Im 27.Psalm heißt es zu Beginn so:

„Der Herr ist mein Licht und mein Heil;
vor wem sollte ich mich fürchten?
Der Herr ist meines Lebens Kraft;
vor wem sollte mir grauen?“

 

Vor langer Zeit hat jemand so gesprochen, der ebenso wie wir heute auf ein großes Stück seines Lebens zurückgeschaut hat.

Vielleicht hätte er sich manches ganz anders gewünscht. Und vielleicht hätte er im Leben noch viel weiter kommen können. Aber wie er in der Summe sein Leben vorbeiziehen lässt, kommt er zu dem Schluss:

·        Du, Gott, bist mein Licht und mein Heil gewesen. Wenn es dunkel um mich geworden ist, dann hast du mir einen Ausweg ermöglicht.

·        Du hast mein Leben wieder gut gemacht, hast mir eine Richtung aufgezeigt, in die ich dann gehen konnte.

·        Du hast mir Mut gegeben, dass ich wieder aufstehen konnte und vielleicht auch unter veränderten Vorzeichen wieder neu an meine Arbeit herangehen konnte.

 

Heute ist ein guter Tag, sich gleichfalls daran zu erinnern. Und für sich zu sprechen:

„Der Herr, der mich bis hierher gebracht hat,
ist mein Licht und mein Heil, meines Lebens Kraft, gewesen;

Nach all den Jahren. Mit all dem, was passiert ist und wie es geschehen ist.

 

Ich kenne Sie nicht alle. Ich weiß nicht, mit welchen Hoffnungen sie sich damals in das Abenteuer Leben aufgemacht haben. Ich weiß auch nicht, was aus ihren Wünschen und Hoffnungen von damals geworden ist und ob Sie alles im Leben noch einmal genauso tun, oder ob sie manches heute ganz anders anpacken würden, seit ihrer Konfirmation damals in den Jahren 1962 und 1963 / 1951, 1952 und 1953 / 1947,1943 und 1942.

 

Damals als Sie, liebe goldene Konfirmanden in den 60er Jahren konfirmiert wurden, da war Deutschland mitten im Wirtschaftswunder. Eine große Aufbruchsstimmung herrschte.

1963 ist das Jahr gewesen, in dem Konrad Adenauer noch Bundeskanzler war, bis 16.Oktober 1963. Den Hit des Jahres war „Ich kauf mir lieber einen Tirolerhut“ von Billy Mo. Deutscher Fußball-Meister wurde Borussia Dortmund.

Im Juni 1963, vor genau 50 Jahren, bereiste der amerikamische Präsident John F. Kennedy Berlin und hielt eine seiner denkwürdigsten Reden, die mit den berühmten Worten endete: „Ich bin ein Berliner.“ Er wollte damit seine Verbundenheit mit den Menschen in der damals noch geteilten Stadt bekunden.

Konnten Sie das damals auch bei Ihrer Konfirmation auch so von Gott sagen? Ich weiß, dass ich mit Gott so verbunden bin, beziehungsweise er mit mir. Ich kann darauf bauen, dass er mir „Licht und Heil“ zu gedacht hat und dass es sein größter Wunsch ist, mir immer die Kraft zukommen zu lassen, die ich brauche, um mich in der Welt der Erwachsenen zurechtzufinden.

Oder sind Sie vielleicht froh gewesen, wie alles vorbei gewesen ist: das Auswendiglernen und das wöchentliche Gehen in die Kirche - alle Strenge und alle Enge, die mit dem Wunsch nach Weite, die man als Jugendlicher verspürt, so gar nicht vereinbar ist.

 

1962 ist ein Jahr gewesen, in dem vieles Neue begonnen hat, das es bis heute gibt: Die Fußball-Bundesliga und die James Bond Filme. Die „Rolling Stones“ gründeten ihre Band. Und es wurde die erste Konfirmation in der neurenovierten Kirche gefeiert. Viele Marktbreiter, die die alte Kirche noch vor Augen haben, können diese Umgestaltung bis heute noch nicht nachvollziehen.

Vielleicht wollten auch Sie manches auch ganz neu machen, ganz anders angehen?

Vielleicht sind Sie damals aber noch gar nicht so weit gewesen. Haben sich gar keine Gedanken gemacht, wie alles mal werden wird, sondern sind zufrieden gewesen mit dem was sie hatten und die Felder oben an der Kappel oder Richtung Gnodstadt sind für Sie schon die große weite Welt gewesen. Und gerade wenn bei uns hier im Juni die Weinberge wieder richtig grün werden, dann kann man sich keinen schöneren Ort vorstellen.

 

1953 gab es auch eine Flutkatastrophe und zwar in den Niederlanden, im Mündungsgebiet von Rhein, Maas und Schelde ebenso wie an der britischen Ostküste und in Belgien zu schweren Schäden. In den Niederlanden kamen insgesamt etwa 1840 Menschen ums Leben und weitere 300 Menschen starben in Großbritannien. Zahlreiche Verletzte. Weite Teile der Niederlande standen unter Wasser. Die Sturmflut war seit 500 Jahren die größte dieser Art. der Nacht vom 31. Januar auf den 1. Februar

Vielleicht haben Sie das damals bei ihrer Konfirmation noch gar nicht abschätzen können, was im Leben einmal passieren kann und dass das, was sich mühevoll aufgebaut hat, mit einem Mal weggeschwemmt werden kann.

 

1952 ist das Jahr gewesen, in dem die 25jährige britische Queen Elizabeth II Königin von England wird. Zarah Leander sang den Schlager „Wunderbar“. Das monatliche Jahreseinkommen lag durchschnittlich gerade einmal zwischen 300 und 400 D-Mark. Man konnte sich vieles nicht leisten. Und die deutsche Automobilbranche befand sich erst noch in den Startlöchern.

Vielleicht hat Sie damals auch manche Träume von einem wunderbaren Leben und von Geld und dass manches nicht mehr so schwer sein sollte? Und vielleicht haben sie erst später gemerkt, dass die Welt gar nicht auf sie wartet und mussten manches ganz anders angehen.

 

Bei Ihrer Konfirmation, liebe Eiserne Konfirmanden, am  30. März 1947 stand der Gottesdienst unter dem Leitvers aus Johannes 12,36: „Glaubt an das Licht, solange ihr's habt, damit ihr Kinder des Lichtes werdet.“

Sehr streng klingt dieser Vers. Vielleicht haben Sie im Laufe Ihres Lebens den eigentlichen Sinn dieser Worte erfahren. Das Licht, das mir den Weg weist, ist da. Und überhaupt geht es bei Gott nicht darum, dass Menschen vor ihm Angst haben müssten, wie vor einer strengen Person, vor der man sich immer klein vorkommen muss. Es geht im Glauben um etwas ganz anderes. Um „Licht und Heil“ und um Mut, das eigene Leben so zu bewältigen, dass man immer wieder auf die Beine kommt und manches auch ganz neu angehen kann.

 

Und für Sie, liebe Jubilare, die sich heute an ihre Konfirmation vor 70 und 71 Jahren erinnern, sind eingeladen, Spuren von Gnade zu entdecken.

Wie viel ist mir im Leben doch geschenkt worden? Wie viel Bewahrung ist auch dabei gewesen. Nicht nur in den armen Zeiten damals, sondern auch später, als es vieles im Überfluss gegeben hat und wo es nicht immer leicht gewesen ist, das Licht, das einem den Weg weist, zu entdecken und dann auch diese Richtung nicht aus dem Auge zu verlieren.

 

Dieser Tag lädt Sie - und uns alle - ein, darüber nachzudenken: Wo bin ich nicht überall bewahrt worden? Was hätte auch ganz leicht schief gehen können? Wo bin ich viel besser durchgekommen als anfangs gedacht? Wo bin nicht überall über mich hinaus gewachsen? Wie oft bin ich dann doch wieder auf die Spur gekommen?

Heute ist ein Tag, an man nicht nur sprechen soll:

·        Wie ist die Zeit doch vergangen, sondern auch: wie hast du, Gott, diese Zeit doch mit Gutem und Schönem gefüllt.

·        Nicht nur: Was habe ich doch alles verpasst in meinem Leben, sondern auch: Was habe ich mit deiner Hilfe, Gott, alles geschafft.

·        Nicht nur: Wie haben es die anderen doch so gut und schön gehabt, sondern auch und vor allem: Was hast du Gott mir an „Licht und Heil“ hast zukommen lassen?

 

Als der Beter des 27. Psalms so auf ein Leben geschaut hat, kommt er zu dem Schluss: „Du, Gott, bist meines Lebens Kraft gewesen!“ Und mit deiner Hilfe kann ich mutig alles Weitere angehen, was in meinem Leben auch alles kommen mag.

Goldene und Diamantene, Eiserne und Gnadenkonfirmation feiern heißt ja nicht nur wehmütig zurückblicken und das bejammern, was man kräftemäßig heute alles nicht mehr vermag oder bedauern, was alles vorbei ist und so nicht wieder kommt. Manch einer ist trotz klarem Verstand so sehr in der Vergangenheit verhaftet, dass er das, was heute geschenkt wird, völlig übersieht. Gott hat uns nicht nur „bis hierher“ gebracht. Er führt uns auch weiter. Und wir wollen Sie mit einer großen Portion Lebensmut aus diesem Gottesdienst entlassen, damit sie hoffnungsvoll ihren ganz eigenen Weg weitergehen können. Und das mit diesen Worten:

„Der Herr ist mein Licht und mein Heil;
vor wem sollte ich mich fürchten?
Der Herr ist meines Lebens Kraft;
vor wem sollte mir grauen?“

Wie auch immer ihre momentane Verfassung ist: Auch mit Mitte 60, mit Mitte 70 und auch, wenn man die 80 überschritten hat, ist man noch im Werden. Jemand hat mal gesagt: „Wir Menschen sind doch wie Wein. Beim Älterwerden können wir entweder zu Essig werden oder - zu großer Köstlichkeit heranreifen“ (Fange nie an aufzuhören, höre nie auf anzufangen, S.11).

Die Frage, zu was wir heranreifen wollen, erübrigt sich damit. Und wir alle können in uns hineinhorchen: Unser innerer Mensch ist noch nicht ausgereift. Er entwickelt sich noch.

Unsere Sehkraft mag nachlassen, aber wir können schauen, was hinter den Dingen liegt. Gott, unsere Lebenskraft, verwandelt uns weiter. Er lässt uns bislang verborgene Lebenszusammenhänge erkennen. Er vermag, dass wir ein weites Herz bekommen. Großzügig werden. Nicht mehr so viel horten. Immer liebevoller werden und immer mehr eine Ahnung bekommen: Was brauchen die Menschen um mich herum? Und was kann ich ihnen geben.

Überhaupt: Es gibt im Leben noch Türen, die noch nicht von uns geöffnet worden sind. Und wir können noch intensiver leben lernen.

 

Von Adalbert Ludwig Balling, einem Marianhiller Missionar, stammt der Satz: „Glücklich ist, wer daran glaubt, dass es nie im Leben zu spät ist, neu zu beginnen“ (Fange nie an aufzuhören, höre nie auf anzufangen, S.5).

Ein starkes Wort zum Gedenktag der Konfirmation. Höre nie auf, neu anzufangen, vor allem, weil Gott uns alles „Licht und Heil“ zugedacht hat, damit wir auf unserem ganz eigenen Lebensweg weiter vorankommen.

Und die Wege Gottes, die von seinem Licht ausgeleuchtet sind, mögen euch immer wieder dahin bringen, wo das Leben heil und gut wird. Amen.

 

Predigt zur Feier der Silbernen und Goldenen Konfirmation in Marktbreit von Pfarrer Thomas Volk am 09. Juni 2013