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Predigt zur Jahreslosung 2013, Hebräer 13,14

Neujahr - 01.01.2013
Predigt zur Jahreslosung 2013, Hebräer 13,14, verfasst von Pfarrer Thomas Volk
Neugieriges Suchen

Liebe Gemeinde,
manchmal wusste man es wirklich nicht genau, ob sich jemand nur darüber lustig machte oder ob doch mehr dahinter war. Aber als der 21.Dezember 2012 immer näher kam, haben sich viele damit beschäftigt und gefragt: „Nur mal angenommen. Wenn jetzt die Welt doch unterginge, was würde ich am letzten Tag tun? Was wäre mir noch wichtig. Wen würde ich auf alle Fälle noch einmal anrufen? Wen unbedingt nochmal sehen wollen?“
Einige sind an bestimmte Orte gefahren, andere auf Berge geklettert. Manche haben ihre Freunde eingeladen. Und wieder andere haben sich beiläufig die Frage gestellt: „Was trägt wirklich im Leben? Was gibt mir Halt? Vor allem dann, wenn wirklich ganz schnell einmal alles ganz anders kommen könnte?“

Aber dann ist doch alles beim Alten geblieben. Die Welt hat sich weitergedreht. Manche Radiostationen haben mit ihren Hörerinnen und Hörern die „Party am Tag danach“ gefeiert. Und heute begrüßen wir ein neues Kalenderjahr.
Wie auch immer sie in diesen Neujahrstag hineingekommen sind und welche ganz persönlichen Gedanken sie bei diesem Jahreswechsel beschäftigen - die Jahreslosung für 2013 möchte uns viel Mut mitgeben, um alles, was ansteht und was sich ergeben wird, zuversichtlich anzugehen. Die Jahreslosung bietet auch genug Inhalt, um sich ein ganzes Jahr mit ihr zu beschäftigen. Doch hören Sie selbst, aus dem neutestamentlichen Brief an die Hebräer, im 13. Kapitel:
„Denn wir haben hier keine bleibende Stadt,
sondern die Zukünftige suchen wir“ (Hebräerbrief 13,14).

Diese Jahreslosung besteht aus zwei Satzhälften. An welcher der beiden sind Sie hängengeblieben?
An der ersten: „Wir haben hier keine bleibende Stadt“, die einen eher negativen Beigeschmack hat? Bereits am ersten Tag eines neuen Jahres weist sie uns darauf hin: Wir haben hier auf dieser Erde keine bleibende Stadt. Nichts ist für die Ewigkeit bestimmt. Und auch unser zu Hause, in dem wir uns vielleicht so fest eingerichtet haben, ist nur vorübergehend.
Oder hat Sie die zweite Satzhälfte angesprochen: „Sondern die Zukünftige suchen wir“? Sie klingt viel aufbauender und lässt uns zuversichtlich in die Zukunft schauen. Es zeigt an: Der „Film unseres Lebens“ ist noch längst nicht abgedreht. Es kommen noch einige Szenen hinzu. Und der endgültige Titel für das Drehbuch steht bei weitem nicht fest.

An welchen Worten auch immer Sie sich beim ersten Hören festgemacht haben oder mit welchen Stimmungen und Gefühlen Sie sie gehört haben - der Jahreslosung ist jegliche Form von Angstmacherei fern, auch wenn sie uns an etwas erinnert, was wir eher gerne beiseiteschieben wollen, weil jede Form von Änderung uns aus unseren gewohnten Bahnen herauswirft.
Bei der Verabschiedung nach dem Gottesdienst vor Weihnachten im Wohnheim sprach eine 80jährige Frau: „Ich wünsche mir, dass alles so bleibt, wie es ist.“ Und dann ist sie mit ihrem Gehwagen in ihr Zimmer gegangen in der Hoffnung, dass sie noch so lange wie möglich die vertrauten Wege ablaufen und den gleichen Tagesrhythmus beibehalten kann.
Und auch wir wollen ja nicht auf die bekannten Abläufe des Tages verzichten, weil sie für uns wie ein sicheres Geländer sind.

Die Jahreslosung für dieses Jahr geht wirklich nicht so schnell auf. Wie der Name schon sagt, braucht man vielleicht ein ganzes Jahr um ihr auf die Spur kommen. Die Blickrichtung - das ist das Besondere dabei - mit der wir das neue Jahr 2013 genauer angehen sollen, steht unter der Verheißung des „Suchens“.
Das Suchen hat ja auch immer zwei Seiten.
Suchen kostet Zeit. Manchmal auch Kraft und Nerven. Besser wäre es, wenn alles so bliebe, wie es ist und man nicht suchen bräuchte.
Das Suchen hat daneben auch eine spannende Seite. Wenn es etwas zu entdecken gibt. Wenn Neugier hinzukommt und man sich sagen kann: „Ich bin gespannt, was mich noch alles erwartet! Auf was werde ich 2013 alles stoßen? Was wird mir klar werden und mir wie Schuppen von den Augen fallen? Und mein Glaube - welche Zusammenhänge wird er mir neu eröffnen?“

Für alle, die das Suchen als eher etwas Lästiges ansehen, sei gesagt, dass es im Leben niemals Stillstand gibt. Leben ist immer Bewegung. Und auch wir verändern uns ständig, ob wir es wollen oder nicht. Unser Aussehen verändert sich. Unsere Gesundheit ist nie gleich. Und auch wenn sich etwas um uns herum verändert, geht es uns aufs Gemüt: wenn ein Baum in unserer Straße gefällt oder ein vertrautes Haus abgerissen wird; wenn das Wetter umschlägt, wenn die Kinder ausziehen oder wenn eine Freundin oder Freund nicht mehr da sind.
Die Jahreslosung will uns darauf einstellen, dass wir beweglich und flexibel bleiben - im Leben und im Glauben.
Die Jahreslosung möchte unsere Hoffnungen wecken, unseren Entdeckerdrang anstacheln und uns fragen: „Du Menschenkind. Was suchst du eigentlich in diesem neuen Jahr? Wo willst du hin? Welche Ziele hast du? Was ist dir wichtig? Was treibt dich an? Was suchst du?

Von Selma Lagerlöf stammt der Ausspruch, der gerade am Beginn eines neuen Jahres treffend ist: „Man soll nicht ängstlich fragen: „Was wird und was kann noch kommen?“ Sondern sagen: „Ich bin gespannt, was Gott jetzt noch mit mir vorhat!““
Ausdrücklich spricht die Jahreslosung nicht von Gott, aber der Verfasser dieser Schrift geht selbstverständlich davon aus: Gott geht alle Wege mit. Er ist an unserer Seite, wenn wir erste Schritte in ein neues Jahr gehen, das noch wie ein ungeschriebenes Blatt Papier vor uns liegt.
Bei Gott hat das Wort „Suchen“ eine Verheißung. Denn er lässt finden - für Große und Kleine - für Gesunde und Kranke - für all die, die in diesem Jahr Bedeutendes vorhaben - und auch bei denen, die heute vielleicht meinen, dass sich in diesem Jahr ohnehin nicht viel tun wird.

Der Verfasser des Hebräerbriefes schreibt am Ende des ersten Jahrhunderts an Christen, die müde geworden sind und Gott sowie sich selbst nichts mehr zutrauen, die sich mit den Gegebenheiten abgefunden haben, wie sie sind, Er bezeichnet seine Leser als „wanderndes Gottesvolk“, weil er weiß, dass das Leben immer eine Reise ist, bei der man hier und da mal anhält, verweilen darf, aber sich dann wieder aufmachen muss. In neue Lebensabschnitte. In ungewohnte Lebensräume. Unser Leben ist eine ständige Suche und Gott ist die große verlässliche Konstante.
Wenn wir heute in ein neues Jahr gehen, dann dürfen wir wissen, dass Gott an unserer Seite bleibt, uns allen Mut mitgeben möchte, dass wir in dieses 2013 eintauchen können, damit wir suchen und finden können, was unser Leben kostbar macht.

Der Gott, der alle Wege mitgeht und uns einmal in seiner eigen Stadt begrüßen und empfangen wird, möchte, dass wir unser Leben gestalten und annehmen, weil er es uns geschenkt hat. Auch wenn wir dieses Jahr ganz unterschiedlich anschauen und angehen, sein Wort möchte uns begleiten und stärken:
„Wir haben hier keine bleibende Stadt,
sondern die Zukünftige suchen wir.“ (Hebräerbrief 13,14).
Und die Weite Gottes, die alles Suchen umfasst, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.