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I have a Dream - Gottesdienst am Vorabend der Konfirmation

Liebe Konfirmanden,

liebe Gemeinde,

was machen die beiden ineinander verschränkten Hände? Außerdem sind sie noch bemalt. Die Farbe blau überwiegt. Auch grün ist zu sehen.

Was sie darstellen? Genau! Sie bilden eine Weltkugel nach. Gleichzeitig sind sie ineinander verschränkt wie beim Gebet. Oder als ob sie sagen möchten: Unsere Erde ist so etwas kostbares. Wir müssen sie schützen und bewahren.

Und daneben die Worte: „I have a Dream“. Ich habe einen Traum. Das steht einfach so daneben. Auf einem Post-it Zettel. Als Erinnerung, um etwas Bestimmtes nicht zu vergessen wie zum Beispiel: „Herd ausstellen“ oder „Brötchen auftauen“.

Dann könnte mit dem Bild doch gemeint sein. „Ich habe einen Traum“ für diese wunderbare Welt. Den will ich nicht aufgeben. Ich will nicht vergessen, dass diese Welt mit den blauen Meeren und dem grünen Land für die Menschen so viel bietet, dass sie glücklich leben können.

Wer das geschrieben hat? Um was für einen Traum es geht? Und wer sich daran erinnern muss, dass es den Traum für diese schöne Welt gibt?

 

Martin Luther Kings Traum

Es war einmal ein Mann, ein Farbiger, der hatte einen Traum. Und er hat diesen Satz „I have a dream“ richtig berühmt gemacht:

Der Mann hieß Martin Luther King.

Martin Luther King war Pfarrer in den Vereinigten Staaten von Amerika, dem Land der Freiheit und der Gerechtigkeit. Und er war stolz darauf.

Aber schon als Kind musste er erfahren, dass in Amerika die Weißen mehr zählen als die Schwarzen. Die Schwarzen hatten die schlechteren Schulen und damit auch die schlechteren Zukunftschancen. Sie wohnten in den schlechteren Häusern und bekamen in den Bussen die schlechteren Plätze. Sie wurden immer wieder beschimpft und schikaniert.

Martin Luther King versuchte die Situation der Schwarzen zu verändern.

Er predigte zu ihnen. Er sprach zu ihnen. Er organisierte einmal einen Busstreik. Und er hatte einen Traum

Der niederländische DJ und Musikproduzent Bakermat hat vor ein paar Jahren die Orignalworte von Martin Luther King mit Housemusik unterlegt. Und das klingt so („One Day“ von Bakermat einspielen mit entsprechender Stelle einspielen).

Ich habe einen Traum, dass eines Tages auf den roten Hügeln von Georgia die Söhne früherer Sklaven und die Söhne früherer Sklavenhalter miteinander am Tisch der Brüderlichkeit sitzen können.

Ich habe einen Traum, dass meine vier kleinen Kinder eines Tages in einer Nation leben werden, in der man sie nicht nach ihrer Hautfarbe, sondern nach ihrem Charakter beurteilt.

Ich träume davon, dass eines Tages der Krieg ein Ende nehmen wird, dass die Männer ihre Schwerter zu Pflugscharen und ihre Spieße zu Sicheln machen werden und dass kein Volk wider das andere ein Schwert aufheben und nicht mehr kriegen lernen wird.

Martin Luther King setzte sich für seinen Traum ein.

Er wurde oft festgenommen und war mehrmals im Gefängnis.

Er bekam viele Auszeichnungen. Der Friedensnobelpreis wurde ihm verliehen.

Martin Luther King kämpfte für Gleichberechtigung, Gerechtigkeit und Frieden, aber ohne Gewalt, sondern mit Liebe, Geduld und Ausdauer.

Für seinen Traum setzte er sich mit seinem Leben ein.

Vor fast auf den Tag genau 50 Jahren, am 4.April 1968 wurde auf ihn ein Attentat ausgeübt. Es war nicht das erste Attentat, doch diesmal trafen ihn die tödlichen Schüsse.

Der Mörder hat Martin Luther King wohl töten können, aber sein Traum lebt weiter. Andere, Farbige und Weiße, haben sich für seinen Traum eingesetzt.

Und immer wieder gibt es Menschen, die sein Werk fortsetzen. Manches hat sich seitdem erfüllt, anderes noch nicht.

 

Deine Träume

Vielleicht hast du heute, am Vorabend deiner Konfirmation, auch einen Traum. Denn deine Konfirmation morgen macht dir deutlich, dass du so allmählich aufbrichst in die große weite Welt. Du gehörst nicht mehr zu den Kleinen und nicht mehr zu denen, über deren Kopf man hinwegbestimmen kann.

Und vielleicht hast du auch ganz bestimmte Vorstellungen und Ideen, wie man manches hier anders oder besser machen könnte. Vielleicht hast du Träume, wie es nicht nur Menschen sondern auch Tieren gut gehen kann? Oder wie alle im Frieden leben können? Oder dass niemand mehr gehässige Kommentare in den sozialen Netzwerken verbreitet?

Wenn dir diese Karte mal irgendwann später in die Hände fällt, dann soll sie für dich wie ein „Post-it Zettel“ sein, der dich erinnert: Halte deine Träume fest, die du für diese Welt und auch für dich selbst einmal hattest und die du vielleicht immer noch hast. Denn sie sind etwas sehr kostbares.

 

Gottes Träume für diese Welt

Auf alle Fälle will dich diese Karte auch daran erinnern, dass Gott einen Traum für dich hat. Für dein Leben. Wie du in deinem Leben immer Neues entdecken kannst. Wie du mit allem klar kommen kannst, wenn es mal stressig wird.

An den vielen Aufmerksamkeiten, die schon jetzt bei dir angekommen sind oder im Briefkasten lagen, ist dir ja schon bewusst geworden, dass dieses Fest morgen ein besonderes ist.

Die Konfirmation morgen macht dir deutlich: Gott gibt dir seinen Segen für deine Lebensreise mit. Denn das Leben ist etwas sehr kostbares, wie die Farben blau und grün auf den Händen deutlich machen. Und die wie zum Gebet ineinander verschränkten Hände sagen, dass du dich mit allem an deinen Gott wenden kannst.

 

Unsere Träume

Und alle anderen, die wir morgen nicht konfirmiert werden, sind eingeladen, unser Träume, die wir einmal hatten und die im Alltag vielleicht zugeschüttet oder mit den Terminen und Verpflichtungen überlagert worden sind, wieder auszugraben, sie anzuschauen. Vielleicht können wir nicht mehr alle umsetzen, aber einen oder sogar zwei davon. Die Feier einer Konfirmation ist eine gute Gelegenheit dazu.

Die Bibel sagt dazu: „Sei mutig und entschlossen! Lass dich nicht einschüchtern und hab keine Angst! Denn ich, der HERR, dein Gott, stehe dir bei, wohin du auch gehst“ (Josua 1,9). Amen.

 

--> Predigt gehalten am Vorabend der Konfirmation am 14.04.2018 von Pfarrer Thomas Volk