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Lukas 9,57-62 - Okuli - 15.März 2020

Predigt im Abendgottesdienst am Sonntag Okuli 1

5. März 2020 Lukas 9,57-62

Pfarrerin Jacqueline Barraud-Volk

 

Gnade sei mit euch und Friede von Gott unserem Vater und dem Herrn Jesus Christus. Amen.

Predigttext Lukas 9,57-62: "Und als sie auf dem Wege waren, sprach einer zu ihm: Ich will dir folgen, wohin du gehst. Und Jesus sprach zu ihm: Die Füchse haben Gruben und die Vögel unter dem Himmel haben Nester; aber der Menschensohn hat nichts, wo er sein Haupt hinlege. Und er sprach zu einem andern: Folge mir nach! Der sprach aber: Herr, erlaube mir, dass ich zuvor hingehe und meinen Vater begrabe. Er aber sprach zu ihm: Lass die Toten ihre Toten begraben; du aber geh hin und verkündige das Reich Gottes! Und ein andrer sprach: Herr, ich will dir nachfolgen; aber erlaube mir zuvor, dass ich Abschied nehme von denen, die in meinem Hause sind. Jesus aber sprach zu ihm: Wer die Hand an den Pflug legt und sieht zurück, der ist nicht geschickt für das Reich Gottes."

Liebe Gemeinde, Wer kennt ihn nicht von uns: den berühmten Blick zurück. Zurück in die Vergangenheit, zurück zu Zeiten, in denen manches viel besser war. Der Dax-Wert an der Börse, die Gesundheit, die familiäre Situation, die Noten in der Schule, das Verhältnis zu den Nachbarn, die eigene Stimmung und klar in diesen Tagen, eine Zeit ohne Coronavirus.

Noch ganz können wir gar nicht fassen, was da geschieht und natürlich schauen wir zurück. Noch Anfang des Jahres hatte man schon von China gehört, aber das war ja nicht bei uns.

Ja damals, sagen wir jetzt im Nachhinein, da hatten wir nur kleine Problemchen. Eigentlich nicht der Rede wert. Aber jetzt. „Was kommt da auf uns zu? Was wird werden?“ fragen viele bange.

Verweilen im Vergangenen, das scheint uns da der Anker im Sturm zu sein.

Nicht anders ging es jenen die Jesus unmittelbar erlebt haben. Denen, die seine Weggenossen und Freunde werden wollten. Ja sie wollen ihn gerne begleiten, sich mit ihm auf den Weg machen, von ihm hören und lernen, wer Gott, der himmlische Vater ist. Aber erst müssen sie noch dieses und jenes erledigen, zurück zu dem, was ihr Leben bisher bestimmt hat. Abschied nehmen von Menschen, Dinge erledigen und einen Moment in dem verweilen, was die Vergangenheit geprägt hat. So geht es auch uns.

„Was, keine Hände mehr schütteln?“ so haben manche vor einer Woche noch gefragt. „Was, keine Schule mehr? Keine Geschäfte mehr geöffnet außer Lebensmittelläden, Apotheken und Banken? Und heute Abend fragen wir: „Wie, kein Gottesdienst mehr? So schnell kann man doch nicht alles ändern? Da kommt ja keiner mit.“

Damals tut Jesus ziemlich wirsch die Bitten der Menschen ab. Und man erschreckt geradezu über seine Worte: „Lasst die Toten ihre Toten begraben.“

Was soll das? Wie kann er so etwas sagen? Es ist ein letzter Dienst und es ist wichtig einen Verstorbenen auf seinem letzten Weg zu begleiten. Es geht um Würde und Abschied nehmen. Ich denke nicht, dass Jesus das in irgendeiner Weise bezweifelt hat.

Es geht ihm wohl um etwas anderes damals. Und erst mit der zweiten Antwort wird das klar: „Wer seine Hand an den Pflug legt und sieht zurück, der ist nicht geschickt für das Reich Gottes.“

Jesus mutet uns ganz schön was zu. Wer ihm nachfolgen will, wer mit ihm verbunden durchs Leben gehen will, wer ihm vertraut, der soll sich nicht in Vergangenem festmachen und von dort aus sich versichern und stärken.

Der Blick zurück macht offensichtlich die Nachfolge zu einer halben Sache. Einerseits auf Jesus und seine Hilfe vertrauen und andererseits doch zurückblicken auf Eigenes und vergangenes Leben. Auf Erfolge, Höhen und Tiefen, auf Sicherheiten. Für Jesus verträgt sich das nicht.

Jesus mutet den Jüngern den Blick auf das Leben im Jetzt zu. Er fordert: „Schaut hin, was jetzt gefragt ist! Schaut hin welche Zukunft Gott euch bereitet!“

Ja es ist jetzt gefragt in unserer Zeit und Gegenwart, sich um andere zu bemühen, sich zu sorgen und tatkräftig mitzuhelfen, dass wir diese weltweite schwierige Situation miteinander bestehen.

Und dabei gilt es geerdet in Christus zu sein und doch auch sich nach vorne auszurichten. Denn es ist schon so, wie Jesus es sagt: „Wer die Hand an den Pflug legt und sieht zurück, der ist nicht geschickt für das Reich Gottes.“

Wer auf klarem Kurs in dieser Nachfolge sich aufmacht, muss sich auf Gegenwart und Zukunft, ausrichten. Vertrauen haben, dass Christus uns von dort schon längst entgegenkommt. „Die Zukunft ist sein Land.“

Wer aber eine Furche in den Acker zieht und dabei zurückblickt, der oder die wird nur Zickzack erzeugen.

Sich nach vorne strecken, das ist wahrlich nicht immer einfach. In diesen Wochen und Monaten, die vor uns liegen gewiss auch nicht. Aber in allem und trotz allem bleiben wir verbunden miteinander und mit Christus. Und so ende ich mit einem Gedanken aus dem Lied „Die Menschenjahre dieser Erde“ von Jochen Klepper:

„Und leben wir vom Ursprung her, bedrückt uns keine Zukunft mehr. In allen Ängsten unseres Handelns siegt immer noch dein ewiger Plan. In allen Wirren unseres Wandelns ziehst du noch immer deine Bahn. Und Gott gebe uns Augen, die lernen ihn zu sehen und ihm zu vertrauen.

Und der Friede Gottes, der höher ist als all unser Begreifen, bewahre unsere Sinne und Herzen in Christus Jesus. Amen.