Predigtansicht

Lukas 8,4-8 - Wir sind Gottes Boden in dieser Welt - Sexagesimae

Als nun eine große Menge beieinander war und sie aus den Städten zu ihm eilten, redete er in einem Gleichnis:

Es ging ein Sämann aus zu säen seinen Samen. Und indem er säte, fiel einiges auf den Weg und wurde zertreten, und die Vögel unter dem Himmel fraßen's auf.

Und einiges fiel auf den Fels; und als es aufging, verdorrte es, weil es keine Feuchtigkeit hatte.

Und einiges fiel mitten unter die Dornen; und die Dornen gingen mit auf und erstickten's.

Und einiges fiel auf gutes Land; und es ging auf und trug hundertfach Frucht. Als er das sagte, rief er: Wer Ohren hat zu hören, der höre! (Lukas 8,4-8).

 

Liebe Gemeinde!

Manchmal im Leben fragt man sich, was man alles so erreicht hat und ob sich die vielen Mühen gerechnet haben. Manchmal kommt man an den Punkt, an dem man sich überlegt, wie es eigentlich um das Verhältnis zwischen dem, was ich aufgewendet habe und dem, was dabei herausgekommen ist, bestellt ist.

Dann kann es sein, dass man sich fragt: Hat es sich gelohnt? Hat es sich ausgezahlt, dass ich soviel investiert habe? Was habe ich mich bemüht, dass es wieder gut wird. Was habe ich mir für Gedanken gemacht und wie oft bin ich nachts wach gelegen. Was habe ich mir für Mühe gemacht, dass sich die Kinder vertragen und dass es wegen dem Haus nicht zum großen Streit kommt.

Und der Minister, der mit einem Mal für viele überraschend zurücktritt, kommt zu dem Punkt: Es lohnt sich nicht mehr. Das, was ich einbringe, steht in keinem Verhältnis zu dem, was dabei heraus kommt. Ich möchte kein Spielball mehr sein. Ich möchte mich nicht mehr verbiegen lassen und nicht mehr eine bestimmte Rolle spielen, die ich eigentlich gar nicht wollte.

 

Das Gleichnis vom Sämann, das Jesus erzählt, macht deutlich. In genau dieser großen Spannbreite bewegt sich unser Leben. Zwischen Säen und Ernten.

Was haben wir nicht alles gesät? Nicht nur im Garten oder auf den Feldern oder in den Weinbergen? Was haben wir nicht alles getan, damit etwas wächst, damit an den Tag kommt, wofür man sich so angestrengt hat.

Und was haben wir geerntet? Was haben wir geschafft? Was ist uns gelungen? Diese Fragen muss man für sich zu Hause in Ruhe weiterdenken.

Leichter geht uns das andere über die Lippen: Ich hätte gerne mehr erreicht. Oder: Ich komme mir vor wie der Boden zurzeit hier bei uns in Mainfranken. Seit vielen Wochen gefroren. Ich bin ganz starr, wie leblos. Es geht zurzeit gar nichts. Ich drehe mich im Kreis.

 

Dieses Gleichnis macht deutlich. Das gibt es wirklich. Du hast vergeblich gesät. Manches hast du in den Sand gesetzt. Manches ist dir nicht so gelungen, wie du es dir erhofft hast.

Dabei habe ich mich doch so bemüht, dass die Freundschaft hält. Auf was habe ich nicht alles verzichtet. Welche Kompromisse bin ich eingegangen. Wie sehr habe ich meine eigenen Bedürfnisse hinten an gestellt. Alles umsonst. Der Bruch war schon längst da. Nichts mehr zu machen.

Vorgestern war Zeugnistag. Wie viele Schülerinnen und Schüler haben sich in einem Fach angestrengt, sich extra ein Lernprogramm für den PC besorgt, aber dann, als die Schulaufgabe schwarz auf weiß vor einem lag, war der Kopf leer und die Note entsprechend. Umsonst?

Das Gleichnis weiß davon, dass manches misslingen kann. Es spricht davon, dass das, was wir säen, nicht nur auf gutes Land fällt, sondern auch auf den Weg, wo kein tragfähiger Boden ist oder auf felsigen Untergrund, wo die Wurzeln keinen Halt bekommen oder unter die Dornen, wo anderes die aufkommende Saat klein hält.

 

Viele denken: Wenn etwas vergeblich gewesen ist, dann kommt das einer Niederlage gleich. Du hast es nicht geschafft - du bist du ein Versager. Du hast es nicht aufs Treppchen geschafft - du bist eine Enttäuschung. Du bist nicht im Recall bei DSDS - du kannst nicht singen. Du hast die Stelle nicht bekommen - du hast einfach nicht die richtige Ausstrahlung dafür.

Wir sind darauf getrimmt, dass Bauernhöfe und Gartenbetriebe immer größer werden müssen, um mitzuhalten. Der Aktienindex muss immer weiter steigen. Gewinne müssen auch in der größten Rezession eingefahren werden. Deswegen gibt es eher Abwrackprämien als Prämien für Pflegekräfte oder Krankenschwestern, die Tag für Tag und Nacht für Nacht ihren Dienst verantwortungsvoll ableisten ohne darauf zu schielen, dass sie auch all ihre Überstunden ausgezahlt bekommen.

Abwrackprämie heißt die für dieses Jahr beschlossene Umweltprämie für das Verschrotten von Alt-Kraftfahrzeugen bei Neukauf eines neuen Autos. 2500 € gibt es dafür. Aber die Schulen, die noch Lehrkräfte und zusätzliches pädagogisches Personal brauchen, bekommen diese Prämie nicht.

Wir sind gewohnt, in diesen Kategorien zu denken: Was springt für mich dabei heraus? Was sagt der Kontostand am Monatsende? Was habe ich erwirtschaftet?

Und vielleicht haben schon damals einige von den Hörern dieses Gleichnisses gesagt: „Das kann sich dieser Bauer doch denken, dass nichts dabei herauskommt, wenn ihm die Saat immer wieder irgendwo hinfällt, wo sie nicht gedeihen kann.“

 

Und ich höre Jesus antworten: „Es geht in diesem Gleichnis vom Sämann wirklich um ein Wachsen. Es geht aber um ein ganz anderes Wachsen, als wir es gewohnt sind. Es geht um ein Wachsen, das man nicht unbedingt messen oder anhand von Bilanzen ablesen kann.

Jesus erzählt solche Geschichten, in denen die Hälfte oder mehr misslingt, weil der Acker nicht in Galiläa liegt und nicht im Industriegebiet vor der Stadt, sondern in dir selbst. Es geht darum, dass etwas in dir wachsen soll. Denn du selbst bist der Boden, um den es in diesem Gleichnis geht.

Und weil unser Herz ein schwieriger Boden ist - weil wir uns so oft verrennen - weil wir häufig nach oben zu den Sternen schauen und das, was unten am Boden zart aufkeimt, übersehen - weil wir viel zu selten verstehen, worauf es wirklich ankommt, hat Jesus dieses Gleichnis erzählt.

 

Schau in dich hinein: Was wird aus deinen guten Vorsätzen? Was wird aus deinen Einsichten und Erfahrungen?  Wie schnell wird der Weg steinig und felsig? Was wird alles überhört, überlärmt vom Alltag, erstickt unter der täglichen Mühe und Sorge?

Vielleicht haben Sie von diesem Jubiläum heute gehört. Seit genau 50 Jahren gibt es die Radarfalle. Heute vor 50 Jahren, am 15. Februar 1959, ist der erste Autofahrer in Düsseldorf geblitzt worden. Schwarz auf weiß, auf einem Foto, ist es zu sehen. Du bist erwischt worden. Es gibt keine Ausrede. Da siehst du es.

Das Christentum hat man lange auch so verstanden. Man hat auf andere gezeigt und gesagt. Schau dich doch an. Du bist kein guter Boden. Was ist dir nicht alles im Leben misslungen. Deine Saat ist nicht aufgegangen. Dein Glauben lässt auch zu wünschen übrig, denn sonst müsste man doch förmlich sehen können, wie Gottes Wort in dir wächst.

Aber all die, die in ihren Gedanken immer noch schonungslos auf andere zeigen und meinen, dass nur sie der beste Boden sind, müssen sich sagen lassen, dass es in diesem Gleichnis nicht um das Zeigen auf andere und schon gar nicht ums Vergleichen geht. Es geht um uns selbst.

 

Du bist der Boden. In dich will etwas hineinfallen. Gottes Wort.

Das ist zugleich eine ermutigende Botschaft für all die, die meinen: Ich sehe nichts wachsen. Es ist alles eingefroren. Oder: Es geht mir nicht schnell genug, dass etwas aufgeht.

Und doch: Du bist dieser Boden. Gottes Wort fällt in dich hinein. Du kannst diesem Wort vertrauen. Du kannst dich darauf verlassen. Gott traut dir zu, dass du es in dir bewegst und sein Wort in dir wirken lässt.

Es ist wie mit allem, was ausgesät wird. Zuerst sieht man nichts. Es dauert. Es braucht Zeit und dann - ganz plötzlich sprießt es im Frühling auf. Ja, es ist ein Wunder, dass Gott in uns wirkt und alles, was wir brauchen, wachsen lässt:

·         Mut, um das eigene Leben weiter in Gang zu bringen, auch wenn manches vergeblich ist und die Wünsche und Ziele nicht ganz aus dem Auge zu verlieren.

·         Zuversicht, die wieder aufkommt und mir sagt:. Ich bin gehalten und getragen, was auch kommen mag.

·         Energien, die mir wieder zukommen, so dass ich mich für die einsetzen kann, die keine Kräfte mehr haben.

 

„Wer Ohren hat, der höre!“. So endet das Gleichnis. Das ist eine Art Warnruf. Im Leben gibt es noch ein anderes Wachsen als in die Höhe schnellen, als Zunehmen und Abnehmen. Es gibt noch ein anderes Wachsen, das man nicht in Tabellen und Kalkulationen aufzeichnen kann. Es geht darum, dass Gottes Wort so in uns wächst, dass das Vertrauen zu ihm zunimmt.

Von diesem Wort, das Gott schenkt, sagt der Prophet Jesaja: „Es wird nicht wieder leer zu mir zurückkommen, sondern wird tun, was mir gefällt, und ihm wird gelingen, wozu ich es sende. Denn ihr sollt in Freuden ausziehen und im Frieden geleitet werden“ (Jesaja 55,11.12a).

Und die Schöpferkraft Gottes, die überwältigender und großartiger ist als unsere Fähigkeiten, bewahre unser Vertrauen in Christus Jesus. Amen.

 

Predigt am Sonntag Sexagesimae,8. März 2009, gehalten von Pfarrer Thomas Volk in Segnitz und Marktbreit