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"Leben als ob die Sonne scheint" Predigt zur Konfirmation 2016

Psalm 84,12 - Symbol „Sonne“ - Konfirmation am 10. April 2016 - Marktbreit:

Der Friede, der von Gott kommt
und mit dem wir uns immer wieder in unser Leben aufmachen können,
möge jetzt ganz nah und ganz tief bei uns sein. Amen.

Liebe Festgemeinde,
liebe Eltern und Paten,

„Seven Years“ heißt das aktuelle Lied des jungen dänischen Sängers Lukas Graham, in dem er auf sein Leben schaut. Auf das, was schon hinter ihm liegt, aber auch auf darauf, was einmal kommen könnte oder sein wird.

„Once I was seven Years old …“ So beginnt es: „Als ich sieben Jahre alt war …“

Das könnt Ihr euch, liebe Konfirmandinnen und Konfirmanden, vielleicht gar nicht mehr vorstellen, wie das damals war, als ihr sieben Jahre alt ward. Heute, wo ihr so schick ausseht und uns allen ganz deutlich bewusst wird, dass ihr längst nicht mehr die Kleinen seid, sondern richtig schicke und gut aussehende Jugendliche, denen die Welt von morgen gehört.

Aber ihr werdet heute noch merken, dass es für uns Erwachsene zu einem Tag wie heute dazugehört, dass wir auch zurückschauen, auf die vergangenen dreizehn, vierzehn Jahre, wie schnell sie vorbeigezogen sind, wie wir gerade eben noch eure Taufe oder euren ersten Schultag gefeiert haben und heute euch zum ersten Mal so richtig in der Welt der Großen willkommen heißen und für Eure Lebensreise das Allerbeste wünschen.

Trotzdem. Wie war das bei euch? Damals! Als ihr sieben Jahre alt ward? An einige von euch kann ich mich noch erinnern. Seeräuber oder Piratenbraut? Wilde Kerle oder Prinzessin Lilly Fee? Ihr habt gegen den Ball geschossen, als ob es das Spiel eures Lebens wäre. Und ihr habt euch angezogen, als ob ihr die tollste von allen seid. Überhaupt, das Leben war ein großes Als ob.

Und heute? Wann seid ihr zum letzten Mal auf einen Baum geklettert? Und Sie, liebe Gemeinde? Ich meine nicht zum Bäume schneiden, wie wir das hier gerne am Main machen, sondern einfach, weil man in einem Piratenspiel Spiel versunken ist und getan hat, als ob. Ich muss auf diesen Baum klettern, als ob es jetzt mein Piratenschiff wäre und ich unbedingt Ausschau halten muss, wer heute noch aus dem Weg geräumt wird.

Als ihr älter wurdest, ist das Klettern in Vergessenheit geraten. Das Leben ist mehr vernünftig geworden. Wenn die anderen mich so sehen. Peinlich. Und so ist aus der Piratenbraut von damals eine Schülerin geworden, die noch ein Englischreferat vorbereiten muss und aus dem „Wilden Kerl“ ein Schüler, der sich immer mehr anpasst, weil er Angst, dass er in der Whats-App Gruppe bloßgestellt werden könnte.

Und wir, Erwachsene, wurden Versicherungsangestellte oder Bürokaufmann, Krankenschwester oder Arbeiter im Schichtdienst. Für große Träume oft kein Platz mehr.

Deswegen feiern wir heute Konfirmation, damit alle Lebensträume niemals verloren gehen, sondern wir sie immer wieder neu entdecken können.

Wie das gehen kann? Dazu müsst ihr euch jetzt etwas vorstellen. Und wir alle auch.

Also, stellt euch vor, heute am Tag eurer Konfirmation, würde euch Gott erscheinen und sagen: „Los, wünsch dir was.“

Du bist überrumpelt. Du fragst: „Also, das ist gar nicht so einfach. Was soll man sich denn wünschen?“ Und du denkst an das große Geld oder einen eigenen Youtube Kanal oder …

„Komm, mach schon. Wünsch dir was. Was immer du dir erträumst“, antwortet Gott und er klingt ein bisschen ungeduldig.

Du antwortest ein wenig ratlos: „Ich weiß nicht. Ich hin nicht so geübt im Wünschen.“

„Der Himmel beginnt im Kopf. Das Beste ist, du schaust dort nach“ Und weg ist er.

„Gut“, denkst du. „Ich brauche jetzt einen Joker. Den richtigen.“ Und du nimmst nicht den Wissensjoker, denn Wissen ist begrenzt. Wichtiger ist die Fantasie. Denn Fantasie ist bekanntlicherweise unbegrenzt. Und die Fantasie hat immer Zeit. Sie ist der Wirklichkeit voraus. Sie ist auch netter. Und sie kennt sich aus mit dem Als ob.

„Wird Zeit, dass du vorbeischaust“, sagt die Fantasie. „Ich habe mich schon gelangweilt.“

„Oh, das wusste ich nicht. Das wollte ich auch nicht. Und was machen wir jetzt?“, antwortest du.

„Wir probieren das aus, wie das ist: einen Tag zu leben, als ob es Gott gibt. Einen Tag zu glauben, dass der Traumprinz wartet. Im Wohnzimmer oder an der Bushaltestelle. Einen Tag Köchin im Spitzenrestaurant sein oder Profifußballer. Keine Fragen, keine Zweifel. Die dürfen morgen wieder kommen. Heute wird der Himmel auf die Erde geholt, ohne zu verhandeln, wie man direkt über Los kommt. Verstehst du?“

„Das ist Hochstapelei“, wendest du ein. „Ich bin kein Profifußballer!“

Sie verdreht die Augen. „Du warst mit sieben Jahren auch keine Seeräuberin.“

„Das ist wahr.“ antwortest du und siehst etwas ratlos aus.

„Hör zu“, beginnt sie zu erklären, „du sollst nicht vorgeben, klüger, reicher oder schlauer zu sein. Es geht nicht darum, ein anderer Mensch zu sein als du. Sondern darum, so zu tun, als seist du schon der Mensch, der du sein möchtest. Es geht darum, dem Leben einen Vertrauensvorschuss zu geben. Den Kochlöffel in die Hand zu nehmen, anstatt mit deiner Sammlung von Kochbüchern zu prahlen. Die Schuhe zu schnüren, statt die Bundesligatabelle herunterzubeten. Einfach zu tun, als wäre das Leben so, wie es sein soll. Am Morgen aufstehen, als ob der Tag schön würde. Den Lehrer grüßen, als ob er ein netter Mensch wäre. Den Weg zur Schule gehen, als ob es viel zu entdecken gäbe. Eine Lasagne kochen, als ob du wüsstest, wie man das macht. Verstanden?“

Du nickst und sagst „Das ist jetzt ein Spiel, oder?“

„Das ist mehr als ein Spiel. Das ist Leben, als ob es Wunder gibt.“

(nach der Geschichte „Tu so als ob“, in Als ob, S.11)


Ihr, liebe Jugendliche, werdet heute konfirmiert, weil in eurem Leben noch viele Wunder auf euch warten. Die euch hoffentlich überraschen und begeistern. Die euch Mut geben und euch stark machen.

Aber wie erkennt man sie - diese unzähligen kleinen und großen Wunder? Man muss „leben als ob“.

Als ob jeder Tag nicht nur dieser heute - etwas Besonderes ist.

Auch die, die im Schulalltag untergehen oder die uns langweilig vorkommen, weil nachunserer Meinung nichts Entscheidendes passiert.

Es ist wie mit der Sonne. Die Sonne scheint immer. Jeden Tag. Auch wenn wir sie nicht sehen können, weil sich dichte Wolken wie eine Wand vor sie geschoben haben. Aber wir stehen jeden Morgen auf, als ob die Sonne scheint. Und sie ist ja auch da.

Als Zeichen dafür hängt extra für den heutigen Tag diese große Sonne über dem Altar.

Die Sonne ist nicht nur ein Zeichen dafür, dass man jeden Tag so leben kann „als ob“ es der schönste Sommertag ist, sondern vor allem ist sie ein Hinweis auf den, der uns täglich mit vielen „kleinen und großen Wundern“ beschenkt.

Die Bibel sagt es im 84.Psalm so:

„Gott, der HERR, ist Sonne und Schild;
der HERR gibt Gnade und Ehre.“

Die Sonne ist ein Bild für Gott, eine Umschreibung, dass du so leben kannst, als ob er immer bei dir ist.

Als ob er dir immer die Freude geben will, die du brauchst.

Als ob Gott dich immer wieder für dein Leben erwärmen, begeistern will, weil du noch so viel vor dir hast und es einfach schade wäre, wenn dir die Puste ausgehen würde.

Als ob Gott als „bildliche Sonne“ dir immer wieder einen neuen Weg ausleuchtet.

Als ob, er dich durch die Zeiten trägt, die du dir nicht aussuchst. Nicht so wie bei Asterix, wo die Träger ihren Häuptling auf dem Schild tragen und ihn dann bei nächster Gelegenheit fallen lassen, sondern so, dass dir niemals der Mut ausgeht.

Oder, für die Eltern, Paten und Großeltern: Leben als ob unsere Jugendliche keine kleinen Kinder mehr sind, denen wir ständig reinreden, alles besser für sie wissen und dauernd herummäkeln. Dieser Tag ist für uns auch ein Anlass, mehr zurückzutreten, ihnen zugestehen, dass sie vieles schon wissen und für sich entscheiden können und wir anfangen sie wie gleichberechtigte zu behandeln.

 

Dazu feiern wir heute dieses wunderbare Fest. Es sagt euch: Vertraue darauf, dass Gott da ist.

Lebe als ob Gott neben dir gehen würde.

Handle so als ob er dir gegenüber sitzen würde.

Entscheide mit der Klarheit, als ob er selbst betroffen wäre.

Und wer von uns immer noch meint, dass das mit dem „Leben als ob“ nur so eine nette Geschichte wäre, dem sei gesagt: Klar, es wird immer jemanden geben, der besser aussieht als du. Es wird auch immer irgendjemand schlauer sein. Und es wird immer jemand älter oder jünger sein. Aber niemand wird sein wie du (Als ob, S.11).

Und darum geht es heute: Gott möchte euch - und uns alle immer wieder neu - mutig machen für das Leben, das vor euch liegt.

Niemand weiß, was in fünf oder zehn oder zwanzig Jahren sein wird. Das weiß auch Lukas Graham nicht, In seinem Lied singt er auch davon, dass er bald - unvorstellbar - dreißig Jahre alt sein wird und er überlegt, wie es dann wohl sein könnte.

Darum ist es in der Konfirmandenzeit gegangen. Dass ihr diesen Gott erfahrt, begreift, spürt, der euch den Rückenwind gibt, den ihr braucht, um in einer Welt zurechtzukommen, wo die Reichen ihr Geld verstecken und unter sich bleiben wollen und wo die anderen schauen müssen, wo sie bleiben. Und wo man das Gefühl hat, dass jede Höchstleistung im Sport nur mit verbotenen Dopingmitteln zustande gekommen ist. Diese Schlagzeilen vergangene Woche sind doch nur oberpeinlich gewesen.

Jede und jeder von euch weiß: Gott will mir allen Mut geben, den ich brauche, um in einem Leben zurechtzukommen, von dem heute noch niemand weiß, wie es morgen und übermorgen aussehen wird und wo man die Sonne manchmal auch lange Zeit nicht spüren kann oder wo sie einen einfach nicht wärmt. Deshalb „lebe als ob“.

Du Katharina, lebe als ob die Sonne nur für dich scheint, denn deine Fröhlichkeit ist dein großer Gewinn. Möge sie sie dir immer erhalten bleiben!

Mareile, lebe als ob es gerade auf dich ankommt. In deiner Nähe werden sich viele wohlfühlen und so einige werden dich mal brauchen!

Julia, lebe als ob alleine gefragt bist. Du kannst vielen Halt und auch Sicherheit geben.

Mirko, lebe als ob dir Gott allen Mut der Welt mitgeben will. Denn, das macht dich so liebenswert, dass du nicht zu den Lauten im Land gehörst.

Frank, lebe als ob alle Welt auf dich baut, weil man sich auf dich absolut verlassen kann und das macht dich besonders.

Niko, lebe als ob es auf deine Sicht der Dinge ankommt. Denn viele werden noch staunen, was du alles in die Wege leiten wirst.

Luca, lebe als ob Gott gerade dir allen Schwung und alle Begeisterung mitgibt, mit der wirst du noch jede Menge bewegen wirst.

Möge der heutige Tag euch in Erinnerung bleiben, als ein Tag, der euch Mut macht, so zu leben als ob ihr auf all euren Wegen dem vertrauen könnt, der Sonne und Schild ist und Gnade und Ehre schenkt. Amen.

Predigt von Pfarrer Thomas Volk
zum Festgottesdienst der Konfirmation
in St. Nikolai, Marktbreit 10. April 2016