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„Ihr seid das Licht der Welt“ Matthäus 5,14a- Symbol „Leuchter“ - Konfirmation am 5. Mai 2019 in Marktbreit

Liebe Sarah, Linda, Angelina, Cara, Emma, Kevin, Christopher und Sebastian.

um euch und uns allen klarzumachen, worum es bei einer Konfirmation eigentlich geht, habe ich uns etwas mitgebracht. Es ist dieser Leuchter hier.

Ihr fragt, was ein Leuchter mit der Konfirmation zu tun hat? Das will ich heute erzählen.

Der Leuchter und dieser besondere Tag

Vielleicht bekommst du ja heute so einen Leuchter geschenkt?

Was man damit machen kann? Zum Beispiel eine schöne Kerze daraufstellen und anzünden. Und wenn du in den Schein des Lichtes schaust, kommen dir vielleicht ein paar gute Gedanken oder du fühlst einfach wohl.

Oder wenn du die Person, die du so toll findest, einmal nach Hause einlädst und was kochst, ihr zusammen esst in der Mitte so ein Leuchter steht - das kommt immer gut an.

Vielleicht sagst du auch: Ein Leuchter ist bis jetzt noch nicht sooo wichtig für mich gewesen und ich weiß gar nicht, ob ich überhaupt mal was damit anfangen kann.

Das wirst du heute vielleicht noch sehen. An dem besonderen Tag der Konfirmation bekommst du manches geschenkt, womit du heute vielleicht heute noch nicht so viel anfangen kannst, was aber später mal wertvoll werden kann.

Weißt du wie das früher war? Da haben die Mädchen Handtücher oder kostbare Tischdecken und die Jungs Stofftaschentücher mit eingraviertem Namen geschenkt bekommen, weil die Verwandten gesagt haben: „Jetzt noch nicht, aber später kannst du das mal bestimmt super gebrauchen.“

Ob dir so ein Leuchter jetzt gefällt oder ob du ihn langweilig findest, er sagt dir auf alle Fälle: Heute ist ein besonderer Tag für dich! Du bist nicht mehr die kleine Schwester oder der kleine Bruder. Nicht mehr die, die noch so manches nicht kann und noch nicht kapiert. Und auch nicht mehr der, dem man immer erklären muss, dass er doch noch viel zu jung ist und noch nichts versteht.

An eurer superschicken Kleidung sieht man auch, dass ihr bald Erwachsene seid. Und in der Welt der Großen gibt es so manches, was einem heute noch fremd ist, aber schon ganz bald wichtig werden wird. Zum Beispiel, welchen Beruf du längerfristig ausüben willst. Oder wen du bei einer Feier bei dir zu Hause du alles einladen willst und wen auf alle Fälle nicht vergessen darfst. Dann kann es außerdem schon mal gut sein, wenn man eine gescheite Tischdecke hat.

Dafür steht dieser Leuchter. Für diesen besonderen Tag, der dir viel Mut mitgeben will für alles, was in deinem Leben mal kommen wird. Und dass so ein Leuchter etwas Besonderes ist, das seht ihr hier in der Kirche. Denn heute haben wir extra für euch unseren Kirchenleuchter angezündet. Die Kerzen brennen nicht jeden Sonntag, sondern nur an wirklich außergewöhnlichen Festen. So wie heute.

Der Leuchter und die Eltern

Aber er steht noch für mehr. Das nächste betrifft eure Eltern. Vielleicht hört ihr mal kurz weg.

Das haben Sie, liebe Eltern, Großeltern, Patinnen und Paten, große Geschwister, bestimmt längst gemerkt. Der Leuchter steht auch dafür, dass unsere Jugendlichen längst auf dem Weg sind eigene Persönlichkeiten zu werden, die ihr eigenes Licht leuchten lassen wollen und es auch schon recht gut können.

Konfirmation sagt uns Erwachsenen, das wir einfach nicht mehr so tun können, als wüssten wir alles besser für sie und müssten ständig an ihnen herum meckern. Was haben wir früher alles angezogen, weil wir nicht so spießig herumlaufen wollten wie unsere Eltern.

Wir Erwachsene müssen darin erwachsen werden, dass wir uns klar machen. Unsere Kinder sind wie ein Licht mit einer Flamme, die manchmal noch sehr leicht ins flackern gerät. Ihre Standfestigkeit ist noch nicht so stabil wie bei diesem Leuchter. Und es gibt heute so viele Stürme, in die man hineingeraten kann, die ein kleines Licht im Nu auspusten können.

Deshalb wird es immer mehr Ihre Aufgabe sein einerseits zurückzutreten, ohne dass Sie sich aus der Verantwortung herausstehlen. Aber andererseits auch mithelfen, dass die Gaben unserer Jugendlichen zum Leuchten kommen und ihr Schwung, ihre Begeisterung nicht durch uns ausgebremst werden.

Trauen Sie Ihren Kindern etwas zu! Sie sind Schätze. So habe ich sie kennengelernt.

Und wie man einen Leuchter auch nicht unter einen Tisch, sondern darauf, so wollen wir diesen wunderbaren Tag auch zum Anlass nehmen, dass wir heute Worte und Gesten finden, die den Jugendlichen deutlich machen, wie wertvoll und kostbar sie sind.

Der Leuchter und Christus.

Jetzt seid ihr wieder dran.

Wir Christen glauben ja, dass wir das, was wir können und was uns ausmacht, nicht aus uns selbst haben, sondern sozusagen geschenkt bekommen haben von der - neben euch - zweiten Hauptperson dieses Tages.

Diese andere Hauptperson will euch mit dem heutigen Tag ganz viel Mut für euer ganz eigenes Leben mitgeben. Diese andere Hauptperson ist auch gleichzeitig der Gastgeber des heutigen Tages. Es ist Christus. Ohne ihn gäbe es dieses Fest nicht.

Neun Monate haben wir uns auf diesen Tag vorbereitet. Wir sind im Herbst ein Wochenende auf den Schwanberg gefahren. Wir haben Jugendgottesdienste in der Umgebung besucht. Manche von euch haben mit meinen Ochsenfurter Jugendlichen eine Menge unternommen. Und es ist dabei immer um die eine Person gegangen, die zugleich einer ganz engen Beziehung zu Gott gestanden ist. Christus. Auch dafür - für ihn - steht dieser Leuchter.

Er hat einmal von sich gesagt: „Ich bin das Licht der Welt!“ Ich gebe den Menschen Licht. Ich gebe ihnen die Wärme, die sie brauchen. Ich will sie mit meinem Licht leiten, dass sie immer einen Weg vor sich haben, den sie gehen können.

Der Leuchter und du

Aber Christus hat beim Licht auch noch das gesagt, was ihr auf dem Liedblatt vorne vielleicht schon längst entdeckt und gelesen hast, nämlich: „Ihr seid das Licht der Welt!“

Damit seid Ihr, liebe Konfirmandinnen und Konfirmanden, gemeint.

Jede und jeder von euch ist ein Original. Einzigartig. Ihr habt so viele Gaben, so viel Begeisterung, so viele wunderbare Gedanken, die die Welt bunter und liebevoller machen können. Es ist der größte Wunsch Christi, dass ihr eure Gaben, euer Licht, auch einmal leuchten lassen könnt. Und dass sich andere an dir orientieren können.

Konfirmation gibt dir viel Mut mit. Solchen Mut sollst du durch Segen spüren, der dir heute zugesprochen wird. Damit du dein Leben einmal bewältigen kannst, wie auch immer es verlaufen mag.

Um Lebensmut geht es am heutigen Tag. Um es nochmal klarzustellen. Es geht nicht um den Mut - wenn nächstes Wochenende die Schwimmbäder wieder aufmachen, - dass du dich auf einmal traust, locker vom 10 Meter Turm zu springen. Nein! Es geht um den Mut, - wenn du mal oben auf 10 Meter Höhe stehst, - zu sagen: „Ne, ich springe jetzt nicht, Ich brauche das nicht. Ich muss niemandem was beweisen. Ich gehe wieder ganz locker runter.“

Konfirmation hilft dir ein eigener Mensch zu werden mit eigenem Denken und eigenem Glauben, der dir Halt gibt, dein Leben zu bestehen, ganz egal wie andere dich beurteilen oder wie sie dich haben möchten.

Habt ihr von der Science-Fiction-Serie „Black Mirror“ gehört? Das ist eine Serie auf Netflix, in der gezeigt wird, dass Personen nur dann ein gutes Leben führen können, wenn sie mit fünf Sternen bewertet werden. Da gibt es eine Szene mit Lucie, die mit ihrem Handy vor dem Spiegel steht und nett in die Kamera hineinlächelt. Erst kichert sie, dann lacht die laut, es schaut etwas irre aus. Sie macht ein Bild. Dann macht ihr Handy Ping. Sie schaut darauf. Fünf Sterne für ihr Lächeln. Damit hat sie einen Gesamtstand von 4,2. Das ist so die obere Mittelschicht. Sie gehört nicht ganz zur Elite, aber auch nicht zu den Versagern, Armen und Hässlichen.

Das klingt krass, ist aber längst Realität, denn eine Lehrerin in Brandenburg hat genau diese Bewertungswelt mit ihren Schülern einer 11.Klasse nachgespielt. Die Schüler wurden nach Noten eingeteilt, die Einser-Schüler durften vorne sitzen und bekamen Stifte und Papier geschenkt, die schlechteren rutschten nach hinten. Je nach Mitarbeit bekamen sie Plus- und Minuspunkte, die guten rutschten wieder nach vorne, die schlechten nach hinten.

Dann zeigte die Lehrerin den ersten Teil der Black-Mirror Folge wie Menschen mit guten Punktestand ein Traumhaus und -job bekommen. Menschen mit schlechten Punkten werden arm und arbeitslos.

Auch wenn manche sagen, dass ist doch utopisch, so wissen aber doch alle von uns, die in Netzwerken unterwegs sind, wie leicht man enttäuscht ist, wenn man nur so wenige Likes bekommt. Wie leicht kann man sich abhängig machen und wie schnell können solche Szenarien, wie in dieser Science-Fiction-Serien Realität werden

(gefunden im Artikel von Aurelie von Blazekovic in: Süddeutsche Zeitung, Nr.35, Montag, 11.Februar 2019, S.23).

Der Leuchter und das Licht, das du scheinen lassen kannst

Auch dazu feiern wir Konfirmation.

Christus, das Licht der Welt, sagt euch: „Ihr seid das Licht der Welt!“ Ihr könnt leuchten, so wie ihr seid. Ihr braucht euch nicht vom Urteil anderer abhängig zu machen, Geht euren Weg. Entdeckt ihn! Immer wieder neu. Und dann los! Mit Segen im Gepäck. Und auch mit dem, was du heute in diesem Gottes mit deinem Konfirmationsversprechen vor allen hier versprichst.

Auf euch kommt es einmal an.

Lasst euer Licht leuchten, so wie bei dieser schönen Lichtblume über dem Altar. Und mögt ihr Christus, das Licht der Welt, immer bei euch tragen.

Amen.

--> Predigt gehalten von Pfarrer Thomas Volk zur Konfirmation am Sonntag, 05. Mai 2019 in St. Nikolai, Marktbreit