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„Heißluftballons“; Am I Wrong?; Römer 15,7- Bildbetrachtung am Vorabend der Konfirmation

Liebe Konfirmanden, liebe Gemeinde,
Heißluftballons steigen auf in den Himmel. Jede Menge. Man kann sie gar nicht zählen. Die einen haben schon ganz schön Fahrt aufgenommen. Die anderen haben sich Zeit gelassen.
Aber jetzt geht es nach oben. Wie hoch sie kommen werden? Wie weit sie fliegen? Was lange sie da oben bleiben?
Ich finde, dass dieses Bild ein schönes für den Vorabend einer Konfirmation ist. Euer großes Fest hat begonnen. Zu Hause ist alles vorbereitet. Die ersten Verwandten sind gekommen. Im Briefkasten habt ihr schon Post für euch gefunden. Mancher Gutschein hat euch schon eingestimmt, dass morgen ein wunderbares Fest beginnt, das euch darin bestärken möchte: Es ist Gottes großer Wunsch, dass du dich in dein Leben aufmachen kannst. Gott möchte, dass du dich bereit machen kannst für eine große Fahrt, die Reise in dein Leben, die noch niemand kennt und die nur du alleine entdecken kannst.
Vielleicht steht auch jeder einzelne Ballon für einen persönlichen Wunsch, für ein besonderes Anliegen, für einen einzigartigen Traum, wie nur du ihn träumst. Vielleicht möchtest du mal ganz weit kommen? Vielleicht willst du auch nur, dass andere überhaupt mal kapieren, was du alles kannst? Oder vielleicht willst du einfach auch nur über den Rand deiner kleinen Welt denken?
Und wir alle träumen ja manchmal auch so. Dabei kann es passieren, dass man denkt: „Ach nein, das schaffe ich niemals!“ Und dann wieder: „Aber eigentlich möchte ich doch so gerne einmal dahinkommen. Liege ich falsch, wenn ich so denke?“

Es gibt übrigens ein Lied, das genau davon handelt. Man hört es seit Wochen jeden Tag im Radio. Und seid gestern liegt es auf Platz 6 der deutschen Charts. Es heißt „Am I Wrong?“. „Liege ich falsch?
Das Lied stammt von zwei norwegischen Musikern mit afrikanischen Wurzeln. Seit fünf Jahren machen sie zusammen Musik.
Und 2011 haben sie hier ganz in der Nähe ihren großen Durchbruch gehabt, in Rothenburg ob der Tauber. Im Rahmen des jährlich stattfindenden Taubertalfestivals haben sie dort ein internationales Nachwuchsfestival gewonnen, das sie über ihr Land hinaus bekannt gemacht hat
Seit Anfang 2014 nennen sich die beiden Musiker Nico & Vinz. Das Lied „Am I Wrong“ „Liege ich falsch“ ist in diesen Wochen in ganz Europa weit vorne zu finden. Die Übersetzung ersten beiden beiden Strophen lautet so:
Liege ich falsch, wenn ich über den Rand meiner kleinen Welt denke (schaue?)?
Liege ich falsch, wenn ich sage, dass ich einen anderen Weg wähle?
Ich versuche nicht das zu machen, was jeder andere auch macht.
Nur weil jeder macht was alle machen,
Wenn es eine Sache gibt, die ich weiß, wie groß würde ich wachsen?
Ich laufe meine Straße runter, diese Straße, die ich mein Zuhause nenn.
Liege ich also falsch, wenn ich glaube, wir könnten wirklich etwas sein?
Liege ich jetzt falsch, weil ich versuche, Dinge zu erreichen,
die ich nicht sehen kann?
Aber das ist so, wie ich fühle; das ist so, wie ich fühle.
Das ist einfach so, wie ich fühle, wenn ich versuche, die Dinge zu erreichen,
die ich nicht sehen kann.

Manchmal liegen wir ja wirklich falsch.
Wenn wir irgendwann merken, dass wir andere nicht ernst nehmen, wenn sie tolle Ideen und Träume haben. Wie soll das überhaupt klappen? Wie stellt sie sich das überhaupt vor? Wie will er das denn schaffen?
Oder wir liegen falsch, wenn das, was wir sein wollen, auf Kosten anderer geht. Weil wir uns zu breit machen, bekommen andere keine Luft oder haben keinen Platz zum Wachsen.

Morgen feiern wir ein großes Fest, das euch gewiss machen soll: Es ist Gottes großes Anliegen, dass ihr euch in euer Leben aufmachen könnt. Egal wie hoch es geht oder wie weit man kommt.
Und zuvor machen wir uns das bewusst. Manchmal liegen wir falsch.
· Weil wir andere nicht richtig einschätzen.
· Weil wir es einfach nicht schaffen, anderen etwas zuzutrauen, was wir nicht für möglich halten.
· Oder wir liegen mit unserer Meinung falsch, mit unserer Sicht der Dinge. Und deshalb können andere auch wegen uns nicht aufsteigen.

Beides gehört im christlichen Glauben immer zusammen:
· Der Gott, der möchte, dass wir uns immer wieder neu aufmachen können,
· möchte ebenso, dass wir immer wieder mithelfen, dass sich andere aufmachen können.
Dazu sind wir heute Abend, vor eurem großen Fest zusammengekommen, um das abzuklären: Wo haben wir einander den Blick verdunkelt oder wo haben wir andere hinter uns, unter uns gelassen.

Deshalb feiern wir heute Abend Beichte. Beichte hat nichts mit alten verstaubten Moralvorstellungen zu tun. Beichte ist die Möglichkeit abzuklären, dass wir euer großes Fest morgen nicht nur im äußeren Frieden, sondern auch im inneren Frieden feiern wollen. Das geht nur, wenn man das voneinander weiß: Nichts soll zwischen uns stehen. Nichts zwischen uns und Euch Konfirmanden, Nichts zwischen Euch und Euren Familien. Nichts zwischen uns als Christen einer Kirchengemeinde oder in einer Stadt.

„Nehmt einander an, wie Christus euch angenommen hat“, hat der Apostel Paulus einmal den Christen in der Stadt Rom geraten. Für uns heute, 2000 Jahre später, heißt das:
· Christus, der großes Gastgeber des morgigen Festes hat uns angenommen. Mit unseren Eigenheiten. Mit dem, was wir und nur wir so sehen. Auch mit dem, was wir uns gerne wünschen und erträumen und was vielleicht niemals in Erfüllung gehen wird.
· Und gleichzeitig will er uns zu verstehen geben: Das kannst du doch auch. Andere annehmen. Versuch dich doch mal in sie hineinzudenken. Was andere beschäftigt? Wie es ihnen geht? Du musst deshalb mit anderen nicht immer einer Meinung sein.
Auf alle Fälle darfst du wissen und es auch andere spüren lassen: Christus hat uns angenommen. Mit unseren Wünschen und Hoffnungen. Auch dann, wenn wir mal falsch liegt. Konfirmation ist Grund genug, es bei denen, die mit uns sind, genauso zu tun. Amen.

• Predigt mit Bildbetrachtung von Pfarrer Thomas Volk, gehalten am Vorabend der Konfirmation, 03. Mai 2014 in St. Nikolai, Marktbreit