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Hebräer 13,1-2 (II) – Predigt zum 7.Sonntag nach Trinitatis - 26.07.2020

Liebe Gemeinde,

haben Sie schon einmal einen Engel als Gast aufgenommen? Bei sich zu Hause. Sie fragen, ob es das gibt? Ja, sagt der heutige kleine Abschnitt aus dem Hebräerbrief im Neuen Testament.

1 Die Liebe zu den Brüdern und Schwestern

soll bestehen bleiben.

2 Vergesst aber auch die Gastfreundschaft nicht.

Denn auf diese Weise haben schon manche,

ohne es zu wissen,

Engel als Gäste aufgenommen.

 

Engel als Gäste?

Bevor Sie noch weiter überlegen, ob bei Ihnen zu Hause wirklich einmal ein Engel gewesen ist, kann ich auch anders fragen: „An welchen Besuch bei sich zu Hause können Sie sich besonders gerne erinnern? Und warum?“

Vielleicht hat sich ein besonderes Gespräch ergeben und Sie haben erlebt, dass Sie sich etwas von der Seele reden konnten. Endlich kam es mal heraus, was Sie schon so lange beschäftigt.

Vielleicht hat Ihr Besuch sie auf völlig neue Ideen gebracht. „Jetzt weiß ich, wie ich die Wohnung anders einrichten könnte.“ Oder: „Jetzt ist mir bewusst geworden, was ich in meinem Leben anders haben möchte.“

 

Wenn ich für mich so überlege, dann fallen mir einige Gäste ein, die mir etwas Wichtiges über das Leben und auch für den Glauben an Gott mitgegeben haben. Und bei Ihnen?

 

Der Einwand

Natürlich gibt es auch das andere.

Ja, es gibt auch Besucher, die nerven mit ihrem Gerede. Bei manchen wird man das Gefühl nicht los, das man selbst zu viel gibt, als dass man bekommt. Und andere nutzen die Gutmütigkeit aus.

„Ach bei dir ist es immer so schön!“ Dabei haben andere viel mehr Platz. Und sie haben auch viel mehr Geld, um ein richtig üppiges Essen vorzubereiten.

Ganz abgesehen von den steigenden Zahlen von Personen, die sich in diesen Tagen, nicht nur weltweit, sondern auch wieder hier bei uns mit dem Corona-Virus infiziert haben. Wir müssen vorsichtig sein, wenn wir Essen und Trinken teilen. Zu wenig Abstand gefährdet die Gesundheit der Gefährdeten,

 

Der Traum aus Johannes 6

Heute, am 7.Sonntag nach Trinitatis schauen wir auf das Evangelium im Johannesevangelium. Fünf Brote, zwei Fische für so viele Menschen. Eine kümmerliche Mahlzeit.

Andreas, der Bruder von Simon Petrus, spricht es aus: „Was ist das für so viele?“ Wie soll das nur gehen?

Es also lieber gleich sein lassen? Die Leute nach Hause schicken - damit es wenigstens für Jesus und die Freunde reicht? Für den eigenen Kreis? Oder es in diesen unwirklichen Zeiten lieber gleich sein lassen?

Die Frage, wie das reichen soll, klingt beinahe so, wenn heute in der Kirche manche jammern und beklagen, dass sich in der Kirche so viel verändert hat, weil ihr immer mehr den Rücken kehren und weil sie so viel an Einfluss in der Gesellschaft verloren hat. Wer so lamentiert, kann Kirche wirklich gleich abschaffen.

 

Zeitalter des Zurückziehens

Ich schaue noch einmal auf das Evangelium, weil es so manche Parallele zu uns heute aufweist und ich frage mich. Was bewegt Menschen, die die Möglichkeit hätten, etwas zu geben, es aber nicht tun? Was ist Andreas damals durch den Kopf gegangen, als er Jesus zweifelnd an-schaut?

Zu oft das Gegenteil erlebt?

Oder ist es eine versteckte Sorge um sich selbst? Wie oft bin ich ausgenutzt worden. Ich war zu gutgläubig. Ich habe gedacht, als Christ muss man geben, ohne nachzufragen.

Ich erlebe es selbst immer wieder selbst: Vertrauen ist ein Wagnis. Wenn ich gebe, was ich habe, kann das auch bedeuten, dass ich hungrig bleibe. Denn ich kann mich nicht darauf verlassen, dass Menschen teilen.

Aber dann habe ich in der Kirche auch die Erfahrung gemacht, dass – wenn jemand angefangen hat, zu teilen,- andere mitgemacht haben, aus der Deckung gekommen sind, etwas gewagt, etwas dazugelegt haben – und mich ermuntert haben, mitzumachen: So stelle ich mir die besondere Zusammenkunft damals auf dem Berg vor. Und dann hat es auch gereicht. Für alle.

 

Alles hat seine Zeit - auch diese Kirche

Wieder zu uns.

Es ist heute Morgen noch völlig ungewiss, wann wir wieder im Gemeindehaus zusammenkommen oder wann wir hier Abendmahl feiern können. Aber vielleicht können wir die Sehnsucht aufrechterhalten, dass das Kirche ausmacht. Miteinander das Leben bestehen. Teilen. Geben und beschenkt werden.

Alle, die geben und das auch können, sind wie Engel, die uns deutlich machen, dass wir nicht alleine im Leben unterwegs sind und wir nicht alles alleine bewältigen müssen.

Laden Sie in diesen Wochen jemanden ein. Draußen auf der Terrasse oder auf dem Balkon. Oder zu einem Spaziergang am Main. Vielleicht begegnen Sie ja auch einem Engel, einem Boten Gottes, der uns aufklärt oder das Gefühl schenkt, dass Gott mit uns im Leben unterwegs ist.

Sein Friede möge uns auf allen unseren Wegen behüten und bewahren. Amen.