Predigtansicht

"Finde deinen Weg" - Bildbetrachtung am Vorabend der Konfirmation - mit Johannes 14,6

Liebe Gemeinde,

liebe Konfirmandinnen und Konfirmanden,

gerade aus geht es auf dem Bild. Wohin? Vielleicht ans Meer? Auf eine Party am See? Oder in das größte McDonald der Welt mit der tollsten Auswahl?

Auf alle Fälle ist freie Fahrt. In einen warmen Sommerabend hinein.

 

Ich finde, dass dieses Bild gut zum Vorabend einer Konfirmation passt. Eure große Feier hat begonnen. Zu Hause ist alles vorbereitet. Die ersten Verwandten sind gekommen. Im Briefkasten habt ihr schon Post für euch gefunden. Mancher Gutschein hat euch schon eingestimmt, dass morgen ein wunderbares Fest beginnt, das euch darin bestärken möchte: Es ist Gottes großer Wunsch, dass ihr euch in euer Leben aufmachen könnt und dass ihr auf eurer Lebensreise freie Fahrt habt, auch wenn heute Abend noch niemand weiß, wohin sie euch führen wird.

 

Auf dem Bild steht unten noch etwas geschrieben. „Finde deinen Weg.“

Vielleicht hast du schon überlegt, warum das da steht, weil es doch immer geradeaus geht und man sich doch eigentlich gar nicht verlaufen kann.

Aber wer weiß? Vielleicht kommt doch bald eine Abzweigung? Irgendwo hinter den Bäumen. Und man muss überlegen. Links oder rechts.

So haben auch die beiden Jungs Maik und Tschick in dem gleichnamigen Film gegrübelt, als sie mit ihrem gestohlenen Wagen auf einmal an eine Straße gekommen sind und nicht weiter wussten. Vielleicht hast du den Film gesehen oder das wunderbare Buch gelesen.

Die Jungs, das sind Maik, 14 Jahre alt, der aus einem zwar wohlhabenden, aber zerrütteten Elternhaus in Marzahn, einem Stadtteil von Ost-Berlin, kommt. Und eben Tschick“, ein russischer Spätaussiedler, der wenig spricht, manchmal betrunken zum Unterricht erscheint. Beide sind Außenseiter in ihrer Klasse. Und weil beide am Beginn der Sommerferien von einer Mitschülerin nicht zu dieser einen großen Party eingeladen werden, erscheint plötzlich Tschick mit einem gestohlenen, klapprigen, hellblauen Lada vor der Haustür. Tschick schlägt Maik vor, gemeinsam zu seinem Großvater in die Walachei zu fahren. Obwohl beide nicht genau wissen, wo die eigentlich liegt, sagt Maik nach kurzem Zögern zu und eine Reise ins Ungewisse beginnt. Und schon bald stehen sie mitten auf einer Landstraße an einer Abzweigung, wissen nicht, wohin es geht und überlegen.

 

Diese Szene aus dem Film „Tschick“ ist übrigens ganz ähnlich wie die Beispiele bei eurem Einführungsgottesdienst im vergangenen September. Erinnert ihr euch? Der Gottesdienst damals hatte übrigens genau dieses Thema: „Find your Way“ - „Finde deinen Weg.“

• Da war der Autofahrer, der an einer Kreuzung steht und nicht wusste,

wohin er fahren, bzw. abbiegen sollte, weil sein Navi nicht ging. Die Frage,

die damit an euch gerichtet war: „Finde den richtigen Weg, der dich

weiterführt“

• Vielleicht erinnerst du dich auch an die beiden Jugendlichen, von denen nur

eine gerne auf die Party am Abend ging. Die Überlegung für dich: „Finde die

Menschen, die deiner Freundschaft wert sind.“

• Und schließlich: Der Jugendliche, der mit einem anderen WhatsApp

Nachrichten austauschte und ihm schließlich mitteilt, dass er nicht in die

Stadt mitkommen kann, weil er doch zum Konfirmandenkurs geht. Das

sollte dir sagen: „Finde deinen Weg mit Gott.“

Und dieses letzte Beispiel hat ja einige Wochen später noch einmal ganz aktuelle Bedeutung gewonnen als einige aus deinem Konfirmandenkurs gesagt haben: „Ich gehe lieber in die Stadt oder zu meinen Freunden oder lieber eine rauchen als mir Gedanken zu machen, wie der Glaube an Gott mir helfen kann, meinen Weg zu finden.

 

Hast du in deiner Konfi-Zeit ein Stück weit deinen Weg gefunden? Auch den mit Gott? Bist du ihm begegnet? Hast du ihn an deiner Seite gespürt?

Es ist gar nicht so einfach, Gott bei sich zu wissen, weil wir jeden Tag mit so vielem wichtigen und unwichtigen beschäftigt sind: mit Schule und den Leuten aus unserer Klasse; mit Klamotten und Selfies; mit dem, was wir posten und wem wir was schreiben müssen.

 

Dieses eine hast du in deiner Konfirmandenzeit immer wieder mitbekommen: Wenn wir Christen etwas von Gott wissen wollen, dann am besten, wenn wir auf Jesus schauen.

Er hat einmal gesagt: „Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben“ (Johannes 14,6).

Darum ist es in Eurer Konfirmandenzeit gegangen: Dass ihr etwas von dem erfahrt,

• der einen Weg für euch bereit hat, auf dem man gehen kann,

• der euch gezeigt hat, wie wir wahrhaft und ehrlich miteinander umgehen

können

• und der mit seinem Leben gezeigt, auf was es wirklich ankommt - nämlich,

dass Gott bei euch ist und euch viel Mut gibt, euer Leben einmal zu leben

und nicht das zu tun, was andere von euch verlangen und wo ihr anderen

irgendwie imponieren müsst, um dazuzugehören.

 

Seit eurer Taufe geht Jesus neben euch und mit euch durch euer Leben. Eure schönen, selbstgestalteten Konfirmationskerzen und eure Taufsprüche, zu denen ihr nachher etwas sagen werdet, sind beides Zeichen dafür: Christus ist der Weg, die Wahrheit und das Leben.

Deshalb feiern wir morgen ein großes Fest, das euch gewiss macht: Auf eurer großen Lebensreise erhaltet ihr von eurem Gott viel Unterstützung, viel Mut und viele Ideen, damit ihr euren Weg immer finden könnt und nicht aus den Augen verliert.

Amen.

 

Predigt am Vorabend der Konfirmation, 29.04.2017, gehalten von Pfarrer Volk in St. Nikolai, Marktbreit.