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„Eine Verbindung auf immer“ Psalm 84,12 - Symbol „Liebesschloss“ - Konfirmation am 30. April 2017 - Marktbreit

Liebe Festgemeinde,

liebe Eltern und Paten,

liebe Konfirmandinnen und Konfirmanden!

 

Um uns allen klar zu machen, worum es am heutigen Tag geht, habe ich uns etwas mitgebracht. Es ist dieses Schloss. Es ist ein ganz besonderes. Man findet es an besonderen Orten zum Beispiel in Würzburg unten am Geländer des Mainkais, zwischen der Alten Mainbrücke und der Löwenbrücke.

 

Was hat ein Liebesschloss mit der Konfirmation zu tun?

Ein solches Schloss hat einen besonderen Namen. Es ist ein Liebesschloss, weil es einfach deutlich macht: Zwei gehören zusammen. Untrennbar. Mag kommen, was will. Mit diesem Schloss machen sie ihre Verbindung sozusagen fest.

(Gemeinde fragen): Wer hat von Ihnen schon einmal eines anfertigen lassen? Wo haben sie es hingehängt? Hängt es immer noch?

Aber was hat ein Liebesschloss mit der Konfirmation zu tun? Wer gehört zusammen? Und wer macht sich wo mit wem fest?

Das ist die Frage, um die es heute geht. Und genau davon möchte ich heute erzählen.

 

Nicht die Erwachsenen an den Jugendlichen

Habt ihr, liebe Konfirmanden, gewusst: Das Wort "konfirmieren" heißt nichts anderes als "festmachen, befestigen".

Wer sich an wem festmacht? Auf alle Fälle nicht wir Erwachsenen an euch Jugendlichen.

Auch wenn ich heute merke, dass ich euch gerne noch festhalten möchte hier in der Kirche und in unserer Gemeinde, weil ich meine, dass es für Euch wichtig und euch gut tut. Aber ich weiß auch, dass dieses Festhalten nicht so einfach geht, jedenfalls nicht, ohne dass ihr es selbst wollt.

 

Liebe Eltern, so wie wir an der schicken Kleidung unserer Jugendlichen sehen, dass sie bald erwachsen sind, so müssen wir Erwachsene in dieser Sache erwachsen werden. Im Loslassen. Wir müssen uns heute eingestehen, dass wir niemanden bei uns festhalten können,

Unsere Kinder festhalten, sich an sie klammern, oder die eigenen Wünsche und unsere Vorstellungen auf sie übertragen, das ist wenig erwachsen, auch wenn wir manchmal meinen, dass sie ohne uns keinen Fuß auf den Boden bekommen.

Im Loslassen erwachsen werden, das bedeutet: Wir müssen anerkennen, dass wir mehr in den Hintergrund treten müssen und unsere Begleitung unaufdringlicher werden muss. Nicht mehr so von oben herab. Mehr auf gleicher Höhe. Wir müssen auch glauben, dass Menschen da sind, die ihnen Gutes wollen. Und wir müssen auch darauf vertrauen, dass auch Gott da ist. Sein großes Anliegen besteht darin, dass jede und jeder einzelne von ihnen sich auf ihre und seine Lebensreise aufmachen kann.

 

Jugendliche machen sich an Gott fest - Versprechen

Wer macht sich also an wem fest? Genau! Ihr Jugendliche an Gott.

Ein dreiviertel Jahr Konfirmandenkurs liegt hinter uns. Begonnen hat es im vergangenen Juli. Die ersten Treffen. Am letzten Schultag der Kennenlernabend im Segnitzer Pfarrgarten. Konfi-Kurs im Gemeindehaus. Das große Luther-Spiel in Mainbernheim. Ausflug in die Lorenzkirche nach Nürnberg. Jugendgottesdienst in Obernbreit. Spiegelfliesen verzieren und Kerzen gestalten. In allem, was wir gemacht haben, ist es darum gegangen, dass ihr diesen Gott kennenlernt und eine Ahnung von ihm bekommt, der er alle Wege mitgeht.

Auch wenn die Konfirmandenzeit viel zu kurz gewesen ist, um alles über diesen Gott zu erfahren, so macht ihr euch heute sozusagen an ihm fest, indem ihr das Grundbekenntnis der Christen sprecht und auf die Frage, ob ihr unter Jesus Christus leben, im Glauben an ihn weiter wachsen und als evangelischer Christ in seiner Gemeinde bleiben wollt, ein „Ja, mit Gottes Hilfe“ sprecht. Eure Antwort ist wie euer Schlüssel zu dem Schloss, mit dem ihr euch an Gott festmacht. Der große Schlüssel, der über dem Altar hängt ist auch ein Zeichen für euer Festmachen.

 

Gott macht sich an den Jugendlichen fest

Zu einem Liebesschloss gehören aber immer zwei Schlüssel. Sie stehen für die zwei Personen, die ihre Verbundenheit festmachen. Bei der Konfirmation ist es auch so.

Denn nicht nur ihr, auch Gott macht sich heute an euch fest.

Wie? Nicht indem er sich an euch festkrallt. So wie das manche Paare machen, die sich gegenseitig so festhalten, dass sie sich die Luft zum Atmen nehmen und es nicht möglich ist, dass der eine was mit anderen unternimmt, ohne dass der / die andere eifersüchtig wird.

 

Festmachen durch Segen

Wie Gott sich dann an uns Menschen festmacht? Indem er sie segnet.

So hat er einmal zu Abrahmen gesagt: „Ich will dich segnen und du sollst ein Segen sein.“

Und dann hat sich Abraham aufgemacht. Er ist 1000 km weitergezogen, ohne Navi und ohne genauen Plan, bis er an einen Ort gekommen ist, wo er bleiben wollte und auch konnte.

In diesen 1000 km hätte er Gott vergessen können. Er hätte andere Götter kennenlernen und sich denen zuwenden können.

Er hätte auch sagen können: War da was? Ich habe es doch auch so geschafft. Ich komme alleine klar!

Das kann man alles sagen. Aber Abraham hat sich den Segen gefallen lassen.

 

Natürlich leben wir heute - über 3000 Jahre später - in einer völlig anderen Zeit als Abraham. Wir wohnen in Häusern, haben Apps für jedes Bedürfnis, können mit dem Zug oder Auto überall hinfahren und 1000 km innerhalb kürzester Zeit überbrücken.

Aber dieser Abraham ist für unseren Glauben heute deshalb wichtig, weil er uns eine Sicht auf das Leben eröffnet, die heute manchmal verloren geht. Nämlich einfach mehr auf Gott als auf unsere kleine heile Welt zu vertrauen, die so leicht zerbrechen kann.

 

So ist Gott: Er macht sich an euch fest, indem er euch segnet und euch gehen lässt. In euer Leben. In eure Welt. Auch mit der Möglichkeit, dass man ihn völlig vergessen kann oder irgendwelchen falschen Kram über ihn denkt.

Dieser Tag mit dem Schloss sagt euch: Gott und ich gehören zusammen. Er geht an deiner Seite mit dir durch dein Leben. Er will sich an dir festmachen und mit dir zusammen an deiner Lebensgeschichte schreiben.

 

Die Sache mit den zwei Schlösser

Da wäre noch die Sache mit den zwei Schlössern an einem Liebesschloss? Warum gibt es gerade zwei? Weil jeder der beiden es auch wieder aufschließen und abhängen kann, wenn die Liebe vorbei ist.

Und bei der Konfirmation? Ich glaube, dass es bei der Konfirmation nur einen Schlüssel gibt. Euren. Gott baucht keinen Schlüssel. Ich habe so viele Jahre darüber nachgedacht und glaube fest daran, dass diese Verbindung von Gott aus fest bestehen bleibt.

Für ihn ist die Verbindung klar. Sie ist für immer. So steht es auch hier auf diesem Schloss. „Eine Verbindung für immer.“ Du bist ihm zu wertvoll. Du bist ihm zu wichtig, als dass er sagen würde: Das war es jetzt mit uns. Du hast mich zu sehr enttäuscht.

 

Und der andere Schlüssel? Euer Schlüssel? Das wird man sehen, was du mit deinem Schlüssel machst.

• Ob du einmal sagst: Anstelle der Kirchensteuer buche ich lieber das supertolle neue Streaming Angebot von Netflix plus Sky Sport und ziehe mich lieber aus dieser komplizierten Welt zurück? Sollen doch alle schauen, wie sie zurechtkommen. Ich mache hier mein eigenes Ding.

• Vielleicht bewahrst du den Schlüssel irgendwo auf. Für alle Fälle. Und du sagst, man weiß ja nie. Vielleicht machen alle anderen ja auch ihr eigenes Ding, schauen sich all die supertollen Serien an und haben keine Zeit für dich, wenn du mal andere brauchst. Dann ist es gut, dass es Gott gibt, an den man sich wenden, zu dem man rufen, auf ihn hoffen kann.

• Oder du bewahrst ihn ab heute in deinem Herzen, weil du sagst: Das, was ich heute versprochen habe, das will ich auch halten. In guten und in schlechten Zeiten. Das ist es mir wert. Ich möchte diesem Gott immer mehr auf die Spur kommen, immer mehr erfahren und spüren dass ich gehalten bin und dass er mir hilft, den Boden unter meinen Füßen nicht zu verlieren.

Wie eure Verbindung zu Gott einmal später aussehen wird, wer weiß? Fragt heute Nachmittag eure Gäste, wie sie sich mit Gott verbunden gefühlt haben?

 

Auf alle Fälle: Du sollst ein Segen sein,

Ich wünsche mir für euch alle so sehr, dass Ihr euch an Gott festmachen könnt, weil er euch seinen Segen gibt und ihr ein Segen sein sollt und könnt. Diese Worte an Abraham damals gehen heute an euch raus.

Ich habe euch als wunderbare junge Menschen kennengelernt, die so viel zu geben haben. Das alles - und noch viel mehr - könnt ihr mit Gottes Segen bewirken.

 

Mit der Verbindung zu Gott das Leben bestehen können

Ich bin auf alle Fälle mega gespannt, was ihr einmal in der Verbindung mit Gott bewegen werdet.

Dieser Tag soll euch gewiss machen, dass Gott an eurer Seite ist. Dass er mit euch zusammen eure Geschichte schreiben will. Und ich wünsche mir für euch so sehr, dass ihr Gott an eurer Geschichte mitschreiben lasst.

Vielleicht wird sich deine Geschichte nicht immer fröhlich lesen. Vielleicht gibt es nicht immer ein Hollywood-Happy-End. Aber mit der Verbindung zum ihm wirst du dein Leben bestehen, das er sich für dich ausgedacht hat.

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre Eure Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

 

> Predigt zur Konfirmation, 30.04.2017, gehalten von Pfarrer Volk in St. Nikolai, Marktbreit