Predigtansicht

„Ein wunderbarer Schatz“ - Psalm 139,14 - Symbol „Spiegel“ - Konfirmation am 15. April 2018 in Marktbreit

(Für die Predigt wird eine kleine Schatzkiste mit Deckel benötigt, in der ein Spiegel eingepasst ist)

 

Liebe Hanna, Esther, Leo, Tabea, Fabian und David,

wie ich euch so vor mir sitzen sehe, da fallen mir jede Menge schöne Erlebnisse mit euch aus eurer Konfi-Zeit ein. Fast ein ganzes gemeinsames Jahr liegt hinter uns. Angefangen hat es im vergangenen Mai mit einem Jugendgottesdienst auf dem Schiff mit vielen anderen Konfirmanden aus dem Dekanat. Woche für Woche haben wir uns getroffen, zum Konfi-Kurs in Marktbreit oder Segnitz. Wir sind zusammen auf den Schwanberg und nach Nürnberg gefahren. Und ihr habt euch mit den Ochsenfurter Konfirmanden angefreundet, seid zum dortigen Konfi-Treff gefahren, nach Würzburg ins Kino oder zum Schwarzlichtminigolf.

Heute feiern wir Eure Konfirmation. Und wir schauen dabei nicht nur zurück, was alles gewesen ist. Denn wir schauen mit euch nach vorne. An eurer tollen Kleidung wird nicht nur mir deutlich, dass ihr längst nicht mehr die Kleinen seid. Nicht mehr die kleine Schwester und der kleine Bruder. Nicht mehr die, die noch so manches nicht können und noch nicht verstehen. Und auch nicht die, denen man immer erklären muss, dass sie doch noch viel zu jung sind und noch nichts verstehen.

Ihr seid diejenigen, die bald schon mitbestimmen, Entscheidungen treffen oder den anderen klarmachen, wie etwas funktioniert. An Eurer schicken Kleidung könne alle hier ablesen, dass Ihr die Großen von morgen seid.

Und dieses Fest, das wir heute mit euch feiern, will euch viel Mut für alles geben, was ihr einmal alles erleben werdet, was in eurem Leben passieren wird. Dazu habe ich euch etwas mitgebracht. Es ist in dieser Schatzkiste (Schatzkiste holen).

 

Ein großer Schatz

Es ist etwas absolut Kostbares. Es ist das Wertvollste, was ein Konfirmand oder eine Konfirmandin besitzen kann. Hier ist ein Schatz drin, der alles andere übertrifft.

Was das sein kann? Der Sprachassistent Alexa, den man auch zu schwierigen Hausaufgaben befragen kann? Schicke Turnschuhe? Eine Kette? Ein lebenslanger Gutschein für unserer Eisdiele hier?

(Konfirmanden fragen, was sie meinen) Ich sage euch was. In meiner Schatzkiste ist viel mehr drin. Es ist wirklich das Wertvollste, was es für einen jungen Menschen gibt.

Was da drin ist? Nehmt mal die Schatzkiste in die Hand. Achtung, nicht so fest schütteln, ganz behutsam...

Wer will von euch hineinschauen? Mach die Schatztruhe langsam auf … . Schaue hinein! Hast du den Schatz gesehen?

(zur Gemeinde) Wollen Sie auch einmal den Schatz sehen? (herumgehen und den Schatz für die zeigen, die es sehen möchten).

(zu denen, die nicht in die Schatzkiste hineingeschaut haben) Ich will das Rätsel für uns alle auflösen. In der Schatzkiste ist ein Spiegel. Und wer hinein schaut sieht sich selbst.

(zu den Konfirmanden) Habt ihr etwas anderes erwartet? Ihr selbst seid der wertvolle Schatz.

 

Kein handfester Schatz

(zur Gemeinde) Ich hoffe ja nicht, dass jetzt irgendjemand von Ihnen denkt: „Typisch Kirche! Erst große Versprechungen machen und dann kommt nichts? Ich hätte jetzt zumindest schon eine wertvolle Bibel in Miniaturformat erwartet.“

Für alle, die gemeint haben, dass in der Schatzkiste, etwas ganz Handfestes sein müsste, was man sehen und anfassen kann - die Vollmacht über ein eigenes Bankkonto, mit dem man anfangen kann, was man will oder etwas, was Schwarz auf Weiß vor einem liegt: Der Vertrag über den erhofften Ausbildungsplatz, der einem einfach zu gefallen ist. Oder eine schriftliche Garantie, dass alles gut gehen wird - sei gesagt: Konfirmation ist keine Garantie für unbeschwertes Leben und für eine Glückssträhne ohne Ende.

So sehr wir alle Euch alles Glück dieser Welt wünschen, so weiß heute auch niemand, was alles in Eurem Leben kommen wird, wie sich manches entwickelt und was Unvorhergesehenes dazu kommt.

 

Konfirmation feiern heißt loslassen können

Und wir Erwachsene können nicht immer da sein, können nicht alles auffangen, können euch nicht vor manchen Enttäuschungen bewahren. Das wollt ihr auch gar nicht.

Und ob Sie, liebe Eltern, heute das erste, zweite oder dritte Mal Konfirmation feiern - bei jedem Mal müssen wir Eltern uns sagen, dass auch wir unsere Kinder nicht einfach so festhalten können. Wir können ihnen nicht ständig rein reden. Wir können auch nicht alles für sie besser wissen. Und wir müssen anerkennen, dass wir mehr in den Hintergrund treten und unsere Begleitung deshalb nicht weniger leidenschaftlich, aber auf alle Fälle unaufdringlicher werden muss.

Deshalb ist es doch gut zu wissen, gerade an einem Tag wie heute, dass unsere Kinder ein großer Schatz sind und dass wir deshalb Konfirmation feiern, damit unsere Jugendlichen dieses eine heute und alle weiteren Tage wissen. Mit Gottes Segen kann ich mutig an mein großes Projekt „Lebensreise“ herangehen. Sein Segen will mir den Mut geben, den ich für alle Vorhaben brauche.

Deshalb it das Wertvollste, was ein Mensch besitzt, ist er selbst. Er / sie selbst mit seinen / ihren Fähigkeiten und Begabungen, mit allen Eigenschaften, die so einzigartig sind wie ein Fingerabdruck.

Ich habe in den vergangenen Monaten alle näher kennengelernt und kann mich nur wiederholen: Jeder von euch ist etwas absolut Besonderes. Das sollt ihr heute einfach wissen.

 

Die Frage nach dem eigenen Wert

Und nicht nur heute, vor allem dann, wenn man sich manchmal fragt: „Was bin ich eigentlich wert?“

Die Antworten können ganz unterschiedlich ausfallen.

Für einen Naturwissenschaftler bestehe ich aus 61% Wasser, 16% Eiweiß, 3% Stickstoff und noch ein bisschen Kalzium, Phosphor, Natrium und Eisen. Alles zusammen Chemikalien im Wert von ungefähr 2 €. Mehr soll ein Mensch nicht wert sein?

Als Bürger der Bundesrepublik Deutschland bin ich eine Nummer auf dem Personalausweis. Thomas Volk, Augenfarbe braun, 1,78 Meter groß, Personalausweis-Nummer 92 64 16 05 18. Das bin ich. Was für eine Nummer sind Sie? 007 oder 08/15?

Auf Twitter habe ich zwei Follower. Andere haben 12, oder 120 oder 1200. Als Nutzer der sozialen Netzwerke bin ich das, was andere von mir halten, wie oft sie mir ein Herzchen schicken oder wie oft sie mich anklicken.

 

Für Gott unendlich wertvoll

Manchmal kann man wirklich richtig mutlos werden, wenn man überlegt und fragt, was man eigentlich wert ist. Deshalb sollt ihr es heute hören, auf euren Festplatten im Kopf und auf der anderen im Herzen abspeichern und alle Tage abrufen können. Ihr seid mehr wert als alle Noten es jemals aussagen können. Oder als alle Markenklamotten anzeigen können.

Ihr seid auch mehr wert, als das, was ein oberflächlicher Blick in den Spiegel aussagt.

Für Gott seid ihr sehr wertvoll und einzigartig geschaffen.

Ihr selbst seid euer größter Schatz, weil Gott euch wunderbar gemacht hat.

 

Ich danke dir, Gott, dass ich wunderbar gemacht bin

So hat der Beter des 139. Psalms hat einmal zu Gott gesprochen:

„Ich danke dir dafür, dass ich wunderbar gemacht bin;

wunderbar sind deine Werke; das erkennt meine Seele“ (Psalm 139,14).

Wir alle haben heute ganz viel Grund, dankbar dafür sein, dass es euch gibt.

 

Mitgabe für die Lebensreise

(die im Gottesdienst persönlichen Worte an die sechs Jugendlichen

David, an dir …

Fabian, du bist …

Tabea, du hast …

Leo, du bist …

Esther, du b….

Hannah, an dir …

 

Wir werden alle noch überrascht sein, was ihr - jede und jeder von euch auf seine, auf ihre Weise - einfädeln, verknüpfen und verbinden werdet.

Ihr seid wunderbar gemacht. Wunderbar ist auch das, was Gott an euch und für euch tun will. Deshalb könnt ihr immer mehr eure eigenen Wege gehen.

Gottes Friede möge euch dabei geleiten. Amen.

 

--> Predigt gehalten zur Konfirmation am 15.04.2018 in St. Nikolai, Marktbreit von Pfarrer Thomas Volk.