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Bildbetrachtung Anker - Gottesdienst am Vorabend der Konfirmation

Das neueste Lied der deutschen Band „Die Ärzte“ heißt „Lasse Redn“.

Lass sie reden, die Nachbarn, die sich über alles und jeden den Mund zerreden. Lass sie reden, all die, die so gerne Gerüchte über andere verbreiten, nur weil sie selbst vom Leben nichts mehr erwarten und damit auch anderen nichts mehr gönnen.

 

Das kann es geben. Dass Andere anfangen über einen herzuziehen. Über die Jeans, die viel zu weit, über das Top, das viel zu kurz ist. Über die komische Musik, die man gerade hört.

Und ihr kennt es auch. Andere reden - auch über euch - und kommen sich dabei auch noch ganz wichtig vor.

 

Und auch das kann es geben: Dass Menschen nicht immer zu einem halten, selbst die, von denen man doch gemeint hat, dass sie doch zu einem stehen müssten, ihn in Schutz nehmen würden. Oder all die, die nichts mehr von euch wissen wollen, nur weil ihr bei etwas nicht mitmachen wollt.

 

Gerade deshalb feiern wir morgen und übermorgen Konfirmation.

Denn Konfirmation macht euch deutlich: Gott hält zu euch. Was auch geschieht. Er verspricht es euch in die Hand.

 

Am Vorabend ist es gut, sich darin gewiss zu machen. Gott ist da. Für euch da. Was auch gewesen ist. Und was auch sein wird.

Heute Abend sollt ihr es hören, spüren, aufnehmen: Gott hält zu euch. Er weiß, dass ihr auf eurer großen Lebensreise festen Halt braucht. Er will euch fest halten, wenn ihr dabei seid, euch zu verrennen.

 

Auf eurem Bildblatt seht ihr einen Anker. Er liegt am kleinen Bootshafen von Marktbreit. Der Anker stammt von einem Schiff, das längst nicht mehr in Gebrauch ist. Aber das Schiff ist viel herum gekommen. Hat so manchen Sturm mitgemacht. Und immer, wenn das Schiff anlegte, dann wurde der Anker hinuntergelassen. Die Arme haben sich so am Boden festgekrallt, dass keine Strömung das Schiff wegreißen konnte. Das Schiff war sicher.

 

Der Anker ist auch ein altes christliches Symbol der Hoffnung. Ich kann mich auf Gott verlassen. Auch wenn es noch so stürmisch um mich herum ist. Dann, wenn ich kein Land mehr sehe. Auch dann, wenn ich das Gefühl habe, dass andere sich das Maul um mich zerreißen.

 

Morgen und übermorgen bekennt ihr: Ich will mich festmachen. An Gott. So wie ein Anker sich am Boden des Flusses festmacht. Ich will mich festmachen. Nicht nur dann, wenn eitel Sonnenschein ist, so wie auf dem Bild und euer Leben so ruhig und friedlich dahin plätschert, wie der Main auf dem Bild.

Sich an Gott festmachen, auch dann, wenn es stürmisch um mich ist - wenn es ganz anders gekommen ist, als ich mir das vorgestellt habe wenn niemand da ist, der gut zuredet und Mut macht un wenn es wirklich einmal so sein sollte, dass ihr meint, alle würden nur über euch reden.

Gut, es sich am Vorabend der Konfirmation bewusst zu machen: Ich will mich auch an Gott halten. Ich will im Glauben weiter wachsen. Will in seiner Gemeinde bleiben Will mich vor allem an ihm fest machen.

 

Wichtig, dass ihr einen Halt im Leben habt.

Weil es - wie die Ärzte es besingen - zu viele Menschen gibt, deren Leben so eintönig ist, dass ihnen jede Einsicht fehlt und sie so klein kariert geworden sind, dass sie anderen und euch auch nichts mehr zutrauen.

Wichtig einen Halt zu haben, weil man auch zu leicht abheben kann. Sich im Internet verlieren kann. Die Bodenhaftung verliert, weil man sich für den Coolsten hält. Und nicht mehr weiß, dass man nur dann am besten ist, wenn man ganz normal ist.

 

Heute Abend halten wir uns auch vor Augen: Es liegt auch an uns, dass kein Zusammenhalt da ist. Es liegt auch uns, dass andere den Halt verlieren. Auch wir reden über andere. Heben unsere feste Meinung im Kopf. Lästern über andere. Lassen den Fuß mal eben so stehen, oder tun so, als würde man den oder die gar nicht kennen.

Deshalb feiern wir diesen Gottesdienst auch mit Beichte. Wir bringen vor Gott, was nicht gut war. Wir bitten ihn um Vergebung. Wir bitten ihn, dass wir ihn wieder als unser Halt wissen, bei allem, was war. Und dass wir dann auch den Mut haben, anderen wieder Halt zu geben.

 

Beichte hat nichts mit alten verstaubten Moralvorstellungen zu tun. Beichte ist die Möglichkeit abzuklären, dass man sich aufeinander verlassen kann.

Beichte sagt: Du kannst dich auf Gott verlassen. Er gibt dir einen neuen Anfang, wenn du es willst. Und du kannst abklären, wem du einen neuen Anfang gewähren willst, nicht mehr über ihn oder sie schlecht reden willst - besser noch: mit wem du mal wieder direkt reden solltest.

Beichte macht auch deutlich: Du kannst anderen auch neue Möglichkeiten eröffnen. Ihnen das Gefühl geben, das du auf ihrer Seite stehst.

 

Wir alle wollen euer großes Fest nicht nur im äußeren Frieden, sondern auch im inneren Frieden feiern. Und das geht nur, wenn man eben das voneinander weiß: Nichts soll zwischen uns stehen. Nichts zwischen mir als Pfarrer und Euch Konfirmanden - nichts zwischen Euch und Euren Familien - nichts zwischen uns als Gemeinde.

 

„Wohin sollen wir gehen?“ hat Petrus einmal gefragt.

Die Antwort hat er sich selbst gegeben "Nur deine Worte“ - und dabei hat er Jesus angeschaut - „haben ewig Bestand. Du kommst von Gott und gehörst zu Gott. Deine ewigen Worte bringen mich weiter als alles Gerede der Welt, weil sie mich auf meinem ganz eigenen Weg weiterbringen.

Amen.

 

Predigt am Vorabend der Konfirmation, 21. April 2007, gehalten von Pfarrer Thomas Volk in St. Nikolai