Sonntagsspaziergang Mainpost

Sonntagsspaziergang für Main Post Kitzingen, 4. Dezember 2020

Barbaratag für Männer

 

Ist es wirklich wahr, dass am heutigen Barbaratag nur Frauen in den Garten gehen und Zweige von den Kirschbäumen oder Forsythien abschneiden? Und stimmt es, dass die meisten Männer kaum einen Blick dafür haben, wenn die Zweige 24 Stunden in warmes Wasser gelegt und an-schließend in eine Vase gestellt werden?

Ich kann es nicht fassen, denn für mich als Mann und noch dazu als Evangelischen sind die Barbarazweige jedes Jahr ein kleines Wunder. Nach Tagen schlagen die Zweige aus. Blättchen schieben sich ans Licht, Knospen sprießen. An Weihnachten, manchmal schon vorher, blühen sie auf. Meistens zumindest.

Nochmal zur Erinnerung: Es war zur Zeit der Christenverfolgung im vierten Jahrhundert. Barbara, Tochter eines heidnischen Kaufmanns aus Nikomedien, östlich von Istanbul, nutzte eine längere Abwesenheit ihres Vaters, um sich gegen seinen Willen taufen zu lassen. Auch die Androhung von Foltern und Tod änderte nichts an ihrem Vorhaben. Ihr Vater brachte sie vor Gericht. Auf dem Weg in den Kerker, so die Sage, verfing sich ein Kirschzweig in Barbaras Kleid. Sie tränkte ihn aus ihrem Becher und brachte ihn im tiefsten Winter, kurz vor ihrem Tod, zum Blühen.

Barbara starb 306 als Märtyrerin. In der katholischen Kirche wird sie als Patronin der Bergleute, Glockengießer, Bauarbeiter und Kanoniere verehrt und bei Gewitter und Fieber, gegen Pest und jähen Tod als Helferin in der Not gerufen.

Und in der evangelischen Kirche? Die Barbarazweige sind ein Zeichen. Es gibt ein „Aufblühen“ in allen frostigen Verhältnissen und ein „Dagegenanblühen“ gegen noch so hartherzige Umstände, die uns umgeben.

Die blühenden Barabarazweige sprechen von der Sehnsucht der Menschen nach einem Licht in der Nacht. Sie machen Mut, dass ein Blühen in der winterlichen Kälte möglich ist, ein Neubeginn inmitten winterlich kahlen Umwelt. Für uns Männer, denen vieles oft nicht schnell genug gehen kann, ist es nochmal ein besonderes Zeichen: Sei geduldig. Gib nicht gleich auf! Probiere es viel-leicht anders! Sanfter! Hoffnung kann immer wachsen, unsere eigene und die der ganzen Welt.

 

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