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Was Begegnungen mit Gott bewirken können - Lukas 19,1-10 (II) - 3.Sonntag nach Trinitatis - 13.09.2020 - Marktbreit

Liebe Gemeinde, diese Person aus dem Neuen Testament ist richtig bekannt. Schülerinnen und Schüler behandeln sie im Religionsunterricht. Und vielleicht haben auch Sie früher in der Schule ein Bild von ihm und seiner Geschichte malen müssen.

 

Um wen es geht? Es ist der Zollbeamte Zachäus. Hier ist seine Geschichte aus dem 19 Kapitel des Lukasevangeliums:

 

Das Besondere an dieser Geschichte: Zachäus erfährt eine Veränderung.

Es ist für mich immer faszinierend mitzuerleben, wenn Menschen sich ändern. Wenn sie zum Beispiel wirklich ihre Essgewohnheiten umstellen und dadurch einfach gesünder leben. Oder wenn Ihnen ganz klar bewusst ist, dass der Klimawandel nun wirklich keine Erfindung ist und man in vielem einfach ökologischer leben muss. Oder auch wenn man merkt, dass der eigene Freundeskries nicht mehr stimmt und einige immer mehr in einer Welt leben, die längst nicht mehr die eigene ist.

Ich erlebe, dass solche und andere Veränderungen, mit denen wir Menschen auf neue Lebenssituationen reagieren, viel zu selten geschehen. Denn wie schnell sind wir in einem Trott, aus dem wir nur schwer herauskommen.

 

Gewohnheitsmenschen

Wenn wir schon im eigenen Leben so „Gewohnheitsmenschen“ sind, wie soll es dann erst bei den großen globalen Fragen ein Umdenken geben?

Ich frage mich in diesen Monaten immer wieder, ob wir Menschen wirklich etwas aus dieser Corona Pandemie lernen?

Werden wir klüger sein nach Corona und einfach damit aufhören mit „Immer höher“, „Immer weiter“, „Immer schneller“ und „Immer mehr“?

Werden wir gerechter sein und auch Dienstleistungsjobs finanziell mehr achten, nicht nur mit einer einmaligen Bonuszahlung, sondern Monat für Monat.

Und werden wir demütiger sein und mehr schätzen was wir haben?

Die Covid-19 Krise hat unsere Gesellschaft so tief getroffen und die Zahl derer, die sich von Verschwörungstheorien an-stecken lassen, so zugenommen, dass ich oft meine Zweifel habe, ob eine globale Veränderung im Denken - und dann auch im Handeln - überhaupt möglich ist.

 

Die Wichtigkeit von Veränderungen

Deshalb ist es für mich wichtig, dass es Personen gibt, die das geschafft haben: eine Veränderung in ihrem Leben zu vollziehen. Und interessant ist auch, was der Anlass dafür gewesen ist.

Bei manchen geschieht eine Veränderung durch eine neue Beziehung. Oder durch einen neuen Freundeskreis. Durch einen neuen Beruf. Durch einen Umzug in die andere Stadt. Oder durch die unmissverständliche Diagnose des Arztes.

Als Christen hoffen und glauben wir, dass wir auch durch eine Begegnung mit Gott Veränderungen bei uns zulassen und vollziehen können. Das sehe bei Zachäus und seiner Begegnung mit Jesus.

Ob Zachäus diese komplette Korrektur selbst von Anfang an gewollt hat? Die Antwort darauf überlasse ich Ihnen. Zumindest hat er diese Begegnung gesucht. Zumindest teilweise. Denn sonst wäre er nicht auf einen Baum geklettert, um Jesus sehen zu können.

 

Die Motive des Zachäus

Was Zachäus dazu veranlasst hat? Das kann man nur vermuten. Sie können sich auch hier das Ihre dazu denken.

Vielleicht hatte er keine Freunde, weil er durch seinen Beruf als Oberzöllner dafür verantwortlich war, dass den eigenen Landsleuten das Geld am Zoll abgeknöpft wurde? Kein Wunder, dass niemand mit ihm zu tun haben wollte.

Oder: Vielleicht hat er sich zu klein gefühlt, wollte diesen Um-stand mit Geld und Reichtum kompensieren und hat nach einiger Zeit gemerkt, dass auch das Geld ihn nicht dauerhaft glücklich macht?

Vielleicht hatte er auch einen unbedingten Willen nach Macht und jetzt wo er oben angekommen ist - und auch nicht mehr weiter aufsteigen kann - gespürt, dass eine Leere ihn erfüllt.

Vielleicht hat er auch keine Anerkennung von anderen bekommen? Was nützt der beste Beruf und das tollste Gehalt, wenn man alleine ist und wenn niemand lobend zu einem spricht: „Es ist schön, dass es dich gibt. Wenn du nicht wärst, dann wäre mein Leben ärmer.“

Vielleicht ist es aber auch von allem etwas gewesen, so wie wir bei uns auch merken, dass einfach etwas nicht mehr stimmt und wir eine Kurskorrektur im Leben brauchen, aber nicht gleich wissen, was es denn wirklich ist, was uns fehlt.

Bei Zachäus sehe ich auch, dass selbst ein Titel nicht davor bewahren kann, sich mal innerlich leer zu fühlen. Ob Oberzöllner oder Oberschwester, Oberamtsrat, Oberstudienrat, Oberärztin oder Oberkirchenrat. Vielleicht ist es eine Zeitlang schön, wenn man einen solchen Titel hat, aber das „Ober“ sagt nichts aus, ob man sich auch im alltäglichen Leben wirklich obenauf fühlt.

 

Das Suchen und Finden Jesu

Ich finde an dieser Geschichte ebenso interessant, dass nicht nur Zachäus auf der Suche ist, sondern auch Jesus.

Jesus sucht Zachäus, weil Jesus schon längst weiß, dass das Leben des Zachäus einfach keine Zukunft hat und Zachäus dringend den Anstoß zu einer Kurskorrektur braucht.

Man kann jetzt leicht über das Leben all derer spötteln, die in unseren Augen ebenso leben wie Zachäus und ohne Religion in ihrem Leben auskommen. Und das auch noch bestens.

Das hat Kirche lange genug gemacht. Das hat ihr aber auch nichts eingebracht, weil Kirche nicht das vorgelebt hat, was Zachäus an Jesus so fasziniert hat.

Wir können deshalb solche Geschichten immer nur auf uns beziehen. Ich bin jedenfalls darüber froh, dass ich mir darin sicher bin: Jesus sucht mich immer wieder, wie Zachäus damals. Er sucht mich, damit ich mich nicht verrenne oder Abstürze oder wenn ein großer Lebensumbruch bevorsteht, damit ich ihn auch bewältigen kann.

Ein wichtiger Bestandteil meines Glaubens ist diese Gewissheit: Jesus sucht mich, um mir immer wieder neu zu erkennen zu geben: „Verrenne dich nicht! Bleibe offen und neugierig! Lebe mit wachem Verstand! Lass dich nicht verunsichern durch andere, die vorgeben, besser zu sein oder weiter zu kommen!“

 

Gottesbegegnungen

Wie sich solche Begegnungen mit Gott bei uns im Leben ab-spielen können?

Vielleicht können Sie ja wirklich Orte oder Momente benennen, in denen für Sie ganz eindrücklich eine Begegnung mit Gott stattgefunden hat. So wie bei Zachäus.

Ich habe mich auch schon manches Mal gefragt, was die bei-den besprochen haben oder welche Wirkung Jesus auf den Oberzöllner hatte. Aber ich war nicht dabei. Ich kann das immer nur für mich – und Sie für sich - selbst sagen: „Wo habe ich in meinem Leben auch schon mal so eine Begegnung wie Zachäus erlebt? Eine Begegnung, die ich mit Gott in Verbindung bringe? Ein Erlebnis, bei dem mir etwas Entscheidendes über mein Leben mitgeteilt wurde?“

Meistens sind solche Begegnungen gar nicht so spektakulär oder so eindeutig wie bei Zachäus. Und vielleicht sind es auch ganz alltägliche Situationen gewesen. Ein Gespräch mit einer Freundin. Ein Termin beim Arzt. Ein Roman, den wir gelesen haben und die Lebensgeschichte dieser einen Person hat uns so bewegt.

So ist das mit vielen Erlebnissen oder Begegnungen. Man kann entscheidende Hinweise, die wir bekommen, ganz profan deuten oder aber auch mit Gott in Verbindung bringen. Letzteres tun wir Christen. Jede und jeder für sich.

Und dann bekommen manche Begebenheiten - vielleicht erst im Nachhinein - eine neue Bedeutung.

Den Liedvers haben wir nicht zufällig im Gottesdienst gehört, sondern Gott hat ihn für uns an gerade diesem einen Sonntag ausgesucht. Oder die eine Person haben wir nicht zufällig getroffen, sondern Gott hat sie uns geschickt, damit sie uns über diesen einen Sachverhalt aufklärt.

Der 14.Sonntag nach Trinitatis hilft auf alle Fälle unserem Gedächtnis auf die Sprünge und will uns die Augen öffnen für Gott, von dem alles Gute kommt, damit wir die Aufforderung des Wochenspruchs mit ganzem Herzen nachsprechen können: „Lobe den Herrn, meine Seele und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat“ (Psalm 147,1).

Gott hat mir Gutes getan. Es stimmt ja auch. Wo bin in meinem Leben doch nicht alleine gewesen? Wo sind mir Kräfte zugewachsen, die ich vorher nicht für möglich gehalten hätte? Wo ist mir die Angst genommen worden und ich habe dann doch einen Weg gefunden, der mich im Leben weiter gebracht hat.

 

Das Gute nicht vergessen

Deshalb ist es wichtig, das Gute nicht zu vergessen.

Wer dankbar auf das Leben blicken kann, lebt nicht nur intensiver, sondern kann gelassener und gleichzeitig auch mutiger in die eigene Zukunft schauen.

Deshalb gefällt mir die Geschichte von Zachäus einfach so gut. Dort war einer auf der Suche. Nach Gott. Er hat ihn gefunden. Nein, anders. Er ist gefunden worden. Ihm wurden die Augen neu geöffnet und er hat einen neuen Blickwinkel bekommen.

Es muss nicht die totale Kehrtwende wie bei Zachäus sein, der die Hälfte seines Besitzes wieder abgibt. Es reicht schon, wenn man das für das eigene Leben weiß: Gott sucht mich unentwegt, damit ich in meinem Leben immer auf der Spur bleibe und nicht nur ich unter veränderten Vorzeichen immer wieder neu aufstehen kann, sondern dass ich auch anderen zu einem aufrechten Gehen verhelfen kann. Und wenn einige andere es ebenso machen, dann sind wir schon viele.

Und die Möglichkeiten Gottes, die immer größer und weiter ist, als die Aussichten, die wir gerade vor uns haben, mögen uns auf unserem Weg wieder ein Stück weiterbringen. Amen